Von der Harmonie zur Hitze
Warum 2022, 2023 und plötzlich 2018 im Mittelpunkt stehen

Wenn Weinjournalisten, Sommeliers oder Winzer über Burgund sprechen, vergleichen sie Jahrgänge nicht willkürlich – sie suchen Referenzpunkte, um neue Erfahrungen einzuordnen. 2022 wurde sofort als Jahrgang der Balance gefeiert: trockene Hitze, aber kühle Nächte, moderate Erträge, gesunde Trauben, harmonische Weine. Es war ein Jahr, das an 2019 oder 2015 erinnerte – klassisch, aber modern. 2023 kam hingegen mit einem Ruf nach Vorsicht: Rekordwärme, extreme Erträge, Hagel, Überreife – und dennoch: fruchtige, charmante, zugängliche Weine. In unserem ersten Bericht über den Jahrgang «Der Burgunder-Jahrgang 2023: Das Jahr aller Gefahren» (Link) haben wir Folgendes geschrieben:

Im Château de Gilly

«Der Burgunder-Jahrgang 2023 ist als einer aller Gefahren in die Geschichte eingegangen. Relativ nasse und zugleich warme Wetterbedingungen stellten das ganze Jahr über die Winzer vor grosse Herausforderungen, da diese Bedingungen eine potenzielle Traubenüberproduktion begünstigten. Nicht zufällig vergleicht Allen Meadows, Burghound, 2023 vom Wetterprofil her mit den Jahrgängen 1992 (ein sehr mittelmässiger, jung zu trinkender Jahrgang voller Kontraste und erfreulicher Überraschungen) und 2000 (ein sehr guter Weisswein-Jahrgang, ein unterschätzter Rotwein-Jahrgang), die nicht in die Annalen des Anbaugebiets eingegangen sind.»

(c)BIVB

Zunächst schien der Kontrast zu 2022 klar: Harmonie vs. Vielfalt, Struktur vs. Frucht.

Doch je mehr die Fässer reiften, desto öfter fiel ein anderer Name: 2018. Winzer wie Nadine Gublin (Domaine Jacques Prieur), Christophe Roumier oder François Millet (Comte Georges de Vogüé) begannen, 2023 mit 2018 zu vergleichen – nicht mit 2022. Warum? Weil 2023 kein „kleines 2022“ ist, sondern ein moderner Hitzejahrgang mit Management-Herausforderungen, wie 2018. Der Leser muss verstehen: Der Vergleich 2022 ↔ 2023 war der Einstieg in die Diskussion – der eigentliche Spiegel ist 2018. Der nächste Kapitelabschnitt erklärt, warum sich die Perspektive verschoben hat, und zeigt, wie Burgund sich an ein neues Klima anpasst.

Warum plötzlich 2018? Der eigentliche Spiegel

Mitte 2024, als die 2023er aus den Fässern kamen, änderte sich die Sprache:

Das erinnert mich an 2018 – aber weicher.“ „Wie 2018, nur mit mehr Frische.“ „2018 war der erste grosse Hitzejahrgang – 2023 ist die Fortsetzung.“

Fazit: Drei Jahrgänge – drei Lehren

Also in drei Sätzen:

  • 2022 war der Massstab – aber ausschliesslich für die weite Zukunft.
  • 2023 ist kein „schlechter 2022“ – sondern ein moderner Hitzejahrgang
  • 2018 ist der wahre Vergleich – weil er zeigte: Burgund überlebt Hitze, wenn der Mensch mitdenkt.


Das Château du Clos de Vougeot und die „Quartiers“ des oberen Teils der Appellation im März 2022

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