Wenn sich zwei reinsortige, hervorragende Weissweine aus dem kühlen, nebelverhangenen Galicien mit zwei Naturkräften aus der wilden, hoch gelegenen Seite der Ribera del Duero zusammentun, dann entsteht etwas Magisches: eine wahre Genussparty für anspruchsvolle Weinliebhaber.
Auf dem Tisch stehen vier Flaschen, die weit mehr sind als nur „gute Spanier“. Sie sind echte Entdeckungen – präzise, charakterstark und von Winzern gemacht, die kompromisslos auf Terroir und Qualität setzen. Zwei mineralisch-salzige Albariños von der altehrwürdigen Bodega Zárate (Link) aus Rías Baixas (Link) und zwei elegante, frische Tempranillos von Bertrand Sourdais’ Projekt Antídoto (Link) aus der kühlen Soria-Zone (Link) der Ribera del Duero (Link).
Keine Massenware, keine überholzten Kraftprotze – sondern vier Weine, die zeigen, wie spannend und vielseitig modernes Spanien sein kann. Eine perfekte Kombination aus Atlantikfrische und kontinentaler Finesse.

Zárate Balado 2024
Betörende, intensive, komplexe, elegante, tiefsinnige und frische bzw. kühle Nase mit reintönigen und komplexen Düften nach provenzalischen Zitronen, Zitrusfrüchten, weissen Früchten, darunter Pfirsich, Quitten, etwas Minze, Feuerstein, Kreidenoten und einem Ansatz von Honig im Hintergrund, man könnte noch lange dieses jugendliche und vielversprechende Bouquet riechen und bestimmt weitere Komponenten finden. Vollmundiger, elegant breitschultriger, saftiger, ja sogar cremiger Gaumen, komplexe Zusammenstellung in Harmonie mit der Nase, sehr präzis wie unter anderem seine salzige Mineralität, tragende, straffe Säure, rundum frisch, ausserordentlich elegant und vielversprechend.
Ein Monument, das seinen Platz in einer Verkostung der grössten Weissweine unserer Welt verdient. 18.5/20 (95/100).
Der Jahrgang 2024 im Anbaugebiet Rías Baixas
Der Jahrgang 2024 in Rías Baixas war geprägt von einem sehr warmen und feuchten Winter, gefolgt von einem warmen, extrem feuchten Frühling und einem normal temperierten, aber feuchten Juni.
Diese Bedingungen führten zu Druck durch Pilzkrankheiten (z. B. Mehltau) und Corrimiento (Verrieselung), was die Erntemenge um ca. fünf Prozent reduzierte (42,1 Mio. kg weniger als im Jahr 2023).
Ein heisser August und gutes Wetter im frühen September ermöglichten jedoch eine optimale Reife und eine „ruhige, geordnete“ Ernte mit exzellentem Traubenzustand und hoher Qualität.
Die Weine versprechen Balance, Frische und Mineralität – der Jahrgang wird als „sehr gut bis exzellent“ eingestuft.
Im Vergleich: Anders als die trockeneren, wärmeren Jahrgänge der Vorjahre (z. B. Rekordernten durch den Klimawandel) erinnerte 2024 stärker an klassisch atlantische, feuchte Bedingungen, ähnlich wie 2021 (kühler, nasser), aber mit besserer Reife dank derSommerhitze.
Insgesamt ein qualitativ herausragender Jahrgang trotz mengenmässiger Einbussen.
La Hormiga del Antídoto 2023
La Hormiga del Antídoto ist der Top-Wein der Bodegas Antídoto aus der D.O. Ribera del Duero (Provinz Soria, der kühlen, hoch gelegenen Ostzone). Der Wein besteht zu 100 Prozent aus Tinto Fino (Tempranillo). Er stammt aus einer einzelnen Parzelle namens „La Hormiga“ (ca. 1,5–2 ha), gepflanzt 1922 mit sehr alten, oft Prä-Phylloxera-Reben auf eisenreichen, ton-/kalkhaltigen Böden am rechten Duero-Ufer, auf 950 Metern Höhe. Die Lage sorgt für Frische, Struktur und Cremigkeit.
Die Trauben werden manuell gelesen, entrappt und mit einheimischen Hefen fermentiert (oft langsam und sanft). Der Ausbau dauert 15 bis 18 Monate in französischen Eichenfässern (Darnajou/Taransaud, 25–50 % neu), was subtile Würze gibt, ohne zu dominieren.
Verführerische, üppige, elegante, tiefsinnige Nase mit köstlichen, reintönigen und harmonischen Düften nach roten Beeren, dunklen Kirschen, Pflaumen, Veilchen und mineralischen Elementen, die Würze – Pfeffer – entwickelt sich mit der Zeit, das Ganze wirkt zwar sehr jugendlich, verspricht aber doch auch einiges für die nächsten Jahre. Die 14.5 Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingebunden. Vollmundiger, samtiger, geschliffener, saftiger und würziger Gaumen, rundum harmonisch, die Tannine sind dicht und poliert. Die Säure lässt sich wahrnehmen, ist aber sehr gut integriert. Der Gaumeneindruck besitzt einen guten Schmelz und zeigt Gerbstoffe im langanhaltenden Abgang. 17.75/20 (92/100).
Fazit: Mehr als nur vier Flaschen – eine Momentaufnahme des besten modernen Spanien
Diese vier Weine sind weit mehr als eine zufällige Zusammenstellung. Sie sind ein bewusstes Statement: zwei Albariños, die die atlantische Seele Galiciens in ihrer reinsten, mineralischsten Form einfangen, und zwei Tempranillos aus der kühlen, hochgelegenen Soria-Zone, die beweisen, dass Ribera del Duero auch filigran, frisch und burgundisch-elegant sein kann.
Zárate und Antídoto stehen exemplarisch für eine Generation von Winzern, die sich konsequent vom Mainstream abwenden – weg von überholzten, alkoholischen Kraftakten, hin zu Präzision, Terroir-Transparenz und Trinkfluss. Eulogio Pomares bewahrt in Rías Baixas ein jahrhundertealtes Erbe und zeigt gleichzeitig, wie lagerfähig und komplex Albariño sein kann. Bertrand Sourdais wiederum hat mit Antídoto eine ganze Subregion (Soria) aus dem Schatten geholt und definiert neu, was grosse Ribera-Weine im 21. Jahrhundert bedeuten können.
Wer diese vier Flaschen probiert, erlebt nicht nur Genuss auf höchstem Niveau, sondern spürt das lebendige Herz des aktuellen Spanien: respektvoll gegenüber der Tradition, kompromisslos in der Qualität und mutig genug, neue Wege zu gehen – weit abseits der grossen, lautstarken Namen. Eine Entdeckung, die bleibt.






