Südtirol Jahrgang 2025: Weine mit Saft und Finesse

Bozen, November 2025: Jetzt, wo in Südtirol die noch jungen Weine des Jahrgangs 2025 in den Kellern reifen, ist es Zeit für ein Fazit: Der Jahrgang 2025 dürfte, trotz zum Teil extremer Wetterschwankungen im Sommer, ein guter werden – mit saftigen Rotweinen und Weissweinen, die leichter ausfallen werden als in den letzten Jahren.

Beim Blick zurück auf den Wein-Jahrgang 2025 in Südtirol sind sich die Experten einig: Es war ein Jahr mit extremen Witterungsschwankungen, die sich vor allem im Sommer gezeigt haben. Der Winter war dagegen noch mild, die Blüte eine vergleichsweise frühe. Auf einen warmen, mancherorts sogar heissen Juni folgte ein verregneter, ausgesprochen kühler Juli, der in einen zeitweise extrem heissen August überging. Gerade diese Schwankungen stellten die Weinbauern im ganzen Land vor Herausforderungen. Weil die Temperaturen im August hoch waren, ging die Reife zügig voran.

Ernte im Weinberg, Vendemmia nel vigneto, Harvest in the vineyard
© Südtirol Wein_Florian Andergassen

Eine frühe und schnelle Ernte

„Die Ernte kam in diesem Jahr schneller als erwartet“, so Jakob Gasser, Önologe der Kellerei St. Michael-Eppan. Dort startete die Ernte rund zwei Wochen früher als im Vorjahr. Etwa zehn Tage früher ging die Lese der ersten Müller-Thurgau-Trauben auch im Eisacktal los, während der Vernatsch im Vinschgau sogar fast drei Wochen Vorsprung auf das letzte Jahr hatte. „Das heurige ist eines der frühesten Lesejahre, an das ich mich erinnern kann“, so Matthias Bernhart, der auch Obmann des Vinschgauer Weinbauernvereins ist. Die Ernte kam in allen Anbaugebieten nicht nur bedeutend früher als im Vorjahr, sie war – wie Lukas Ploner betont – auch „kurz und intensiv“. Genutzt werden mussten die Schönwetterfenster, weshalb die Weinbauern viel Flexibilität an den Tag legen mussten. „Es war extrem wichtig, im richtigen Moment die richtige Sorte und Lage zu ernten“, erklärt Jakob Gasser. Matthias Bernhart betont zudem, dass die Ernte lesetechnisch aufwendig gewesen sei. „Aufgrund der Wetterschwankungen musste man nicht nur schnell ernten, sondern auch eventuelle Fäulnis im Auge behalten.“

Präzise Handlese, gutes Lesegut

Weil in Südtirol ausschliesslich von Hand gelesen wird, konnten diese Herausforderung durch präzise Arbeit im Weinberg gemeistert werden, das Lesegut präsentiert sich durchwegs sehr gut, auch wenn es Unterschiede gibt. „Die Trauben aus guten Lagen waren heuer qualitativ noch einmal deutlich besser als jene aus schwächeren Lagen“, sagt Jakob Gasser.

Durchwegs zufrieden zeigt sich Matthias Bernhart für das Gebiet, das er überblickt: „Die Qualitäten sind sehr gut, die Zuckerwerte etwas niedriger als im Vorjahr, aber wenn der Reifegrad passt, ist das kein Problem – im Gegenteil: ein halbes oder ganzes Volumenprozent weniger tut unseren Weinen nur gut.“ Quantitativ liegt man im ganzen Land übrigens weitgehend im Durchschnitt, etwas unter den erwarteten Mengen ist man im Überetsch und Unterland geblieben.

Saftige (und mitunter grosse) Rotweine

Jetzt, wo die Jungweine in den Kellern reifen, sind erste Prognosen über die Stilistik der Weine, die der Jahrgang 2025 hervorgebracht hat, möglich: Jakob Gasser von der Kellerei St. Michael-Eppan beispielsweise, prophezeit beim Blauburgunder saftig-frische Weine. Und mehr noch: „Gute Lagen können in diesem Jahr auch sehr grosse Weine hervorbringen.“ Saftig falle auch der diesjährige Merlot aus und auch der 2025er Vernatsch und Lagrein seien vielversprechend, so Gasser – ein Urteil, das Matthias Bernhart vom Ansitz Mairhof in Partschins teilt: „Für den Vernatsch erwarte ich mir einen schönen Jahrgang, wahrscheinlich den besten der letzten vier, fünf Jahre“, so Bernhart.

Jakob Gasser ©Oskar Da Riz

Leichte, fruchtige Weissweine

Vor allem bei den weissen Sorten registrieren die Experten in diesem Jahr niedrigere Zuckerwerte als in den letzten Jahren. Das führt dazu, dass mit Weissweinen zu rechnen ist, die sich durch etwas weniger Alkohol und etwas mehr Säure auszeichnen werden. Zu erwarten sind für den Jahrgang 2025 also leichte, frische und fruchtige Südtiroler Weissweine und damit solche, die im globalen Trend liegen. Beim Blick auf die einzelnen Sorten hebt sich der Weissburgunder etwas von den anderen Weissen ab. Er war in diesem Jahr besonders früh reif, auch die Zuckerwerte liegen etwas über den anderen Sorten. Trotzdem erwartet man frische Weine mit knackiger Säure. Um einiges früher in den Keller kam auch der Riesling, der deshalb geringe Zuckerwerte aufweist. „Ich erwarte mir Weine mit rund 12 Prozent Alkohol und einer schönen Frucht“, sagt Matthias Bernhart. Was Pinot Grigio und Sauvignon betrifft, so seien diese optimal reif in den Keller gekommen: „Sie sollten sehr gut werden“, sagt Jakob Gasser, dessen Urteil über den Südtiroler Chardonnay 2025 noch enthusiastischer ausfällt: „In den guten Lagen konnte der ideale Reifezeitpunkt abgewartet werden, die Trauben zeigen ideale Voraussetzungen für grosse Weine“, so Gasser.

Lukas Ploner ©Kloster Neustift
Matthias Bernhart ©Matthias Bernhart

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