Anlässlich der DOC SICILIA COLLECTION 2025 (Link), ein Anlass im November in Palermo, erhielten wir einen spannenden Einblick in eine etwas andere Weinidentität. Es ging zum einen um die Nachhaltigkeit im sizilianischen Weinbau, zum anderen um das Kennenlernen der autochthonen Rebsorten der grössten Insel in der Badewanne Mittelmeer.

Historisch reichen die bisher entdeckten Spuren menschlicher Besiedlung bis ins 13. Jahrtausend vor Christus zurück. Weinbau wäre jedoch erst ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. durch die Phönizier betrieben worden. Die Geschichte der Insel ist bewegt und gezeichnet von zahlreichen Eroberungen, Skandalen und Erfindungen wie der „Archimedischen Schraube“ (Link) zur Bewässerung von Feldern. Vielseitig sind daher der Weinbau und die sizilianische Küche.
Sizilien ist nach dem Veneto mit 96.903 Hektaren Reben (2024) das zweitgrösste Weinbaugebiet Italiens. Der sizilianische Weinberg ist dreimal so gross wie in Neuseeland, mit Südafrika vergleichbar, wohl nur ein My kleiner als in Deutschland. Das Klima ist im Allgemeinen mediterran, mit heissen Sommern und milden, regnerischen Wintern. Im Inneren der Insel sprechen die Sizilianer aber von einem vom Meer beeinflussten Kontinentalklima. Die Bergregionen verfügen über ein allgemein feuchtes Klima, eine warme Ostseite und eine kältere Nordseite, es wird dort nicht unter 0, aber auch kaum über 25 Grad. In den Provinzen Trapani, Palermo, Agrigento und Caltanissetta finden wir ein warm-feuchtes Klima. Das bedeutet also, es wächst hier fast alles was man als Weinliebhaber so kennt. Ob man es auch so schätzen kann, wie der verwöhnte Gaumen dies gewohnt ist, bleibt individuell «proof of the pudding». Die meisten Vergleiche zu heimisch Gewohntem hinken nämlich, denn irgendwie ist hier doch so einiges anders. «Think big» lautet das Motto der Sizilianischen Weinindustrie, was man durchaus zu spüren bekommt. Anstatt max.1 Liter Ertrag pro Rebe rechnet man hier das Ganze mal 2.5 – 3. Nicht minder bringt die Grösse mancher Weingüter einen oft zum Staunen. Selbst Joe Cartwright mit seiner „Ponderosa-Ranch“ (Bonanza-Western-Serie aus den 60ern) und seinem Spruch „ich benötige mehr als einen Tag auf meinem Pferd um die Grenzen meiner Ranch zu kontrollieren“, scheint hier eher als normal.
Aber nun zu den Themen Qualität, Nachhaltigkeit und warum es „5 vor 12“ ist:

Die kontrollierte Ursprungsbezeichnung „Sicilia“ wurde erst am 22. November 2011 mit einem Dekret des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forst geschaffen, das gleichzeitig auch die entsprechenden Vorschriften für die Produktion genehmigte. Es umfasst das gesamte Gebiet Sizilien. Direkt im Anschluss wurde das Konsortium – SiciliaDoc (Link) gegründet. Winzer, Kellermeister und Abfüller, die sich für die Anerkennung der kontrollierten Ursprungsbezeichnung eingesetzt hatten, beschlossen ein Konsortium zu gründen, das auch die Weinproduktion der Insel fördern und schützen sollte, dies praktisch als Selbsthilfe- und Selbstkontrollsystem (“Honi soit qui mal y pense“). Nicht verwunderlich wurden 2024 auf 20.595 Hektar Rebfläche, bei 7.264 Winzern, 500 Abfüllern und 641.884 Hektoliter Wein stolze 81.976.712 Millionen (!) Flaschen Sicilia Doc-Wein abgefüllt. Also nix mit klein und fein!
De_Long_Wine_Map_of_SicilyZu den erlaubten Rebsorten unter dem Dach der Sicilia DOC finden sich heute Klassiker, d.h. Chardonnay, Syrah und Cabernet Sauvignon aber auch spannende Autochthone wie Nero d’Avola, Grillo, Nerello Mascalese oder Catarratto. Genaues folgt jedoch erst im zweiten Teil dieses Berichts.
Sizilien kämpft nämlich mit Hitze- und Wasserthemen. Das Thema Nachhaltigkeit im Weinbau steht derzeit ganz oben auf der Agenda, weshalb die erste Halbzeit auch nur diesem Thema gewidmet ist.
Auf dem IV. Nachhaltigkeitssymposium Interazioni Sostenibili – Mondo Possibili (Link) wurden wir daher über 5 Stunden zu diesem Thema gebrieft. Praktisch unter dem Motto „hilf dir selbst“ haben die sizilianischen Weinbauern 2020 nämlich die Stiftung „SOStain Sicilia“ (Link) gegründet, ein Nachhaltigkeitsprogramm mit streng kontrollierter Zertifizierung mit derzeit rund 30 Mitgliedern und verbindlichen Standards. Dies mit Fokus auf ökologische, soziale sowie wirtschaftliche Aspekte angepasst an Klima, Böden und Realitäten. Man will Zeichen setzen! Die wichtigsten Säulen von SOStain sind daher ein reduzierter Einsatz von Pflanzenschutz, der Schutz der Biodiversität, der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und Wassermanagement. Hierzu dient ein Mindestaufnahmekriterium von 10 sogn. „VIVA-Kriterien (Link). In 2021 hat man 48.8 Grad in einem Weinberg in Syrakus gemessen.
