Roussillon in drei Akten

Nachdem ich zuletzt im Juni 2024 selbst das Roussillon besucht hatte, fand Anfang März dieses Jahres in der Villa Merton (Link) Frankfurt eine dreiteilige Veranstaltung mit Winzern und Weinen aus der Region statt. Das Event mit dem Titel „Mikrokosmos Roussillon – eine Region, viele Facetten“ war im Auftrag des Conseil Interprofessionnel des Vins du Roussillon (CIVR) von der Hamburger Kommunikationsagentur ff.k (Link) organisiert worden.

Eingeladen waren ausschliesslich Weinfachleute aus Handel, Gastronomie und Medien. Die Gastgeberrolle vor Ort übernahm Eric Aracil, Vizedirektor und Exportmanager des CIVR. Er leitete auch die Masterclass, die den ersten Teil der Veranstaltung darstellte. Danach folgte eine freie Verkostung mit 44 Weinen von zehn Roussillon-Weingütern. Den abschliessenden Höhepunkt bildete ein Menü mit fünf Gängen, die jeweils von zwei ausgewählten Weinen der anwesenden Produzenten begleitet wurden. Insgesamt nahmen über 30 Gäste die Gelegenheit war, sich über das Roussillon zu informieren und die Weinregion kulinarisch zu erleben.

1. Akt: Die Masterclass

Eric Aracil stellte die Geografie, die Geschichte, die Terroirs, die Rebsorten und die geschützten Herkunftsbezeichnungen des Roussillon vor. Bei Vinifera-Mundi erschien bereits im November 2021 ein Artikel von mir über die Region und eine Online-Verkostung im September desselben Jahres (Link). Auf diesen kann ich praktischerweise jetzt ergänzend verweisen.

Wie ein Amphitheater geformt und im Süden Frankreichs zwischen Spanien, dem Mittelmeer, den Pyrenäen und dem Corbières-Gebirge gelegen, ist das Roussillon für seine Vielfalt an Weinen und Terroirs bekannt.“ Dies ist das Selbstverständnis der Region, in einem Satz zusammengefasst in der über 70 Seiten umfassenden Broschüre zum Event. Das besagte Amphitheater öffnet sich nach Osten, zum Mittelmeer hin. Weinbau gab es in dieser Gegend bereits um 625 vor Christus. Die Kultur des Roussillon ist katalanisch. Das Gebiet war im Mittelalter eine der historischen Katalanischen Grafschaften und stand bis 1659 unter der Herrschaft der Krone von Aragón. Nach dem Französisch-Spanischen Krieg wurde Nordkatalonien durch den Pyrenäenfrieden Teil des Königreichs Frankreich. Heute umfasst das Roussillon nahezu das gesamte französische Département Pyrénées-Orientales.

Quelle unbekannt

Die Verkostung

Zum Abschluss der Masterclass gestaltete Eric den Übergang zur freien Verkostung mit vier repräsentativen Weinen.

Domaine François Jaubert (Link), Orus 2023, AOP Côtes du Roussillon

55 % Grenache Blanc, 45 % Grenache Gris; Direktpressung, separate Vinifikation der Rebsorten, acht Monate Ausbau im Edelstahltank. Biowein.

In der Nase gelbe und weisse Früchte, Kräuter und etwas Blüten. Im Mund durchaus kraftvoll mit Aromen von reifen gelben Früchten (Pfirsich, etwas Mango) sowie Blüten und Fenchel, pflanzlicher Würze, harmonischer Säure und zartem Schmelz im ordentlichen bis guten Abgang.

In Deutschland sind die Weine der Domaine bei Schmitts Bioweine sowie Wir Winzer erhältlich.

Domaine Bila-Haut – Michel Chapoutier (Link), Lesquerda 2021,AOP Côtes du Roussillon Villages Lesquerde

Syrah, Grenache Noir, Carignan Noir; entrapptes Lesegut, vierwöchige Mazeration, sieben bis acht Monate Ausbau im Betontank.

In der Nase Beeren, Pflaumen und Gewürze sowie etwas ätherische Kräuter und etwas welke Blumen. Im Mund ziemlich kühl und fest mit Aromen von Beeren, Kirschen und Gewürzen, Anklängen an rotes Fleisch, feiner Säure, mineralischen Noten, feinsandigem Tannin und einem animierenden, guten Abgang.

In Deutschland sind die Weine der Domaine bei zahlreichen Händlern, darunter Lobenbergs gute Weine, Kölner Weinkeller, Vicampo, Vinatis sowie Wine in Black und in der Schweiz bei Vogel Vins, Granchateaux, Millesima und Smith & Smith erhältlich.

Mas Janeil (Link) François Lurton, Mas Janeil 2022, AOP Maury

100 % Grenache Noir; entrapptes Lesegut, 21 Tage Mazeration in kleinen Betontanks, Mutage auf dem Tresterhut, vier Monate reduktiver Ausbau in Holzfässern und Barriques.

In der Nase reife Beeren, Gewürze, Heilkräuter, etwas Unterholz und Harz. Im Mund süss und stoffig mit Aromen von roten und dunklen Beeren, Waldhonig, Lavendel, Kirschlikör und Schokolade, feiner Würze, gewisser Kraft, harmonischer Säure und gutem bis sehr gutem Abgang.

In der Schweiz sind die Weine der Domaine bei Languedoc Weine, Von Welt Weine, Walhalla Weine, Evovino und in Deutschland bei Cape Wein, Wir Winzer, BioWeinReich und Vicampo erhältlich.

Château de l’Ou (Link), Lou Muscat 2011, AOP Muscat de Rivesaltes

100 % Muscat à Petits Grains; Vinifikation im Edelstahltank, mindestens zehn Jahre Flaschenreife.

Oxidativer Duft nach gelben Früchten, welken Blumen, pflanzlich-würzigen Elementen, getrockneten Aprikosen, Kardamom und etwas Zimt. Im Mund sehr süss und komplex mit Aromen von gebackenen Bananen, Rumrosinen, Schokolade, Karamell und Blütenhonig, gewisser Kraft, feiner Säure, mineralischen Noten und Schmelz im langen Abgang.

In Deutschland sind die Weine der Domaine bei Vinatis, Winzer24 sowie Weinsalon Hamburg und in der Schweiz bei Von Welt Weine, Evovino und QoQa erhältlich.

2. Akt: Die freie Verkostung

Den vollständigen Artikel lesen.

3. Akt: Das Weinmenü

4. Gang: Rosa gebratener Rehrücken mit herzhaften Topfenknödeln, Edelpilzen und Holunderjus

Château Montana, LAstre Noir 2022, AOP Côtes du Roussillon Villages Les Aspres

55 % Grenache Noir, 30 % Syrah, 15 % Carignan Noir; entrapptes Lesegut, lange Mazeration, 18 Monate Ausbau im Eichenholzfass (zur Hälfte neues Holz).

In der Nase tief, Gewürze, ätherische Kräuter, Beeren und Pflaumen. Im Mund kühl, dicht und tiefgründig mit Aromen von dunklen Früchten und Gewürzen, feinsandigem Tannin, feiner Säure und gutem Abgang.

Im Zusammenspiel mit dem Gericht erweist er sich nicht als Offenbarung, zeigt aber auch keine Schwächen; er passt tadellos.

Fazit

Bereits die freie Verkostung hatte meine Vorliebe für die regionstypischen roten Rebsorten Grenache Noir, Syrah und Carignan Noir bestätigt. Den Rotweinen des Roussillon wird nachgesagt, dass sie schwer und mächtig seien – vor allem im Vergleich zu Pinot Noir, der bei Vinifera-Mundi ja eine zentrale Rolle spielt. Dieser Vergleich ist aber geradezu absurd, denn die Eigenschaften der Rebsorten und die klimatischen Verhältnisse sind grundsätzlich verschieden. Angesichts der vielen Sonnenstunden ist es nur logisch, dass die Weine des Roussillon gehaltvoll sind, denn viel Sonne bedeutet viel Zucker und damit viel Alkohol; Werte von 15 Volumenprozent und mehr sind keine Seltenheit. Doch keiner der Weine, die ich probiert habe – auch keiner derjenigen, denen ich kein Ausrufezeichen gegeben habe –, war fett oder marmeladig. Alle hatten genug Substanz und Struktur, um dem Alkohol etwas entgegenzusetzen und ihn zu nivellieren. Das zeichnet die (guten) Weine des Roussillon aus: Kraft und Konzentration ja, aber auch Balance, Struktur, Finesse und Tiefe. Besonders faszinierend und komplex sind die Vins Doux Naturels, wie nicht zuletzt auch meine differenzierten Verkostungsnotizen hier zeigen.

Der Höhepunkt war jedoch – wie bereits eingangs erwähnt – das Menü mit fünf Gängen und jeweils zwei begleitenden Weinen. Wenn Weine mit einem kunstvoll komponierten Gericht interagieren können, lernt man sie noch einmal von einer neuen Seite kennen und entdeckt im besten Fall neue Dimensionen. Für sich allein wirken kann jeder Wein, doch erst im Zusammenspiel mit einer Küchenkreation bekommt er eine Herausforderung und offenbart seinen ganzen Charakter: vom Solitär, der nichts neben sich duldet, bis zum versatilen Charmeur, der entweder das Gericht zum Strahlen bringt oder seinerseits erstrahlt.





(c) ffk.pr

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