Ein unvergesslicher Moment in den Rive von Farra
Manche Weine erzählen ihre Geschichte schon, bevor man das erste Glas hebt. Bei La Farra (Link) geschieht das bereits beim Anblick der Flaschen – diese ruhige, fast asketische Eleganz in Schwarz, Blau und Grau. Doch der wahre Moment kommt, wenn man die Flasche öffnet und der erste Schluck die steilen Hügel von Farra di Soligo spürbar macht.
Ich hatte kürzlich die drei Flaschen auf dem Tisch – Extra Dry, Brut und Extra Brut der Rive di Farra di Soligo – und war sofort gefangen. Statt des üblichen fruchtig-leichten Prosecco-Klischees entfaltete sich hier etwas Tieferes: eine klare, mineralische Frische, getragen von feiner Struktur und einer lebendigen Säure, die den Gaumen lange begleitet. Es fühlte sich an wie ein kleiner Gegenentwurf zu dem, was viele unter Prosecco verstehen: nicht laut, nicht süsslich, sondern präzise, elegant und von grosser Herkunftstreue.
In den höher gelegenen Weinbergen von Farra di Soligo, wo die Reben oft steil an den Hügeln emporklettern, scheinen die Luft dünner und die Weine konzentrierter zu sein. Genau dieses Gefühl vermitteln die Weine von La Farra auf beeindruckende Weise.

Was La Farra besonders macht
- Familienbetrieb der Brüder Adamaria, Innocente und Guido Nardi, gegründet 1997. Heute bewirtschaften sie rund 20 Hektar fast ausschliesslich in den besten Hügellagen von Farra di Soligo.
- Vignaioli d’altura durch und durch: Die Weinberge liegen in den steilen Rive di Farra di Soligo, auf Höhen zwischen 220 und 400 Metern (meist 250–350 m). Die Hänge erreichen teilweise extreme Neigungen – echte „heroic viticulture“, bei der fast alles per Hand erfolgt. Im Vergleich zu vielen tieferen Lagen der DOCG gehören diese Rive zur oberen Etage und profitieren von kühleren Nächten und einer längeren Reifezeit.
- Die Lage selbst: In der Gemeinde Farra di Soligo (Hamlet Collagù und umliegende Parzellen) dominieren kalkhaltige Ton- und Konglomeratböden. Diese Mischung bringt eine klare Mineralität und eine feine, salzige Frische ins Glas – Eigenschaften, die man bei Prosecco eher selten so ausgeprägt findet.
- La Farra positioniert sich bewusst in der oberen Etage der bekannten Prosecco-Qualitätspyramide. Unterhalb der absoluten Spitze – dem legendären Superiore di Cartizze mit seinen nur rund 107 Hektar – stehen die 43 Rive als Premier-Cru-Äquivalente. Die Rive di Farra di Soligo gehören zu deren charakterstärksten.
- Konsequente Handlese und ertragsbegrenzte Bewirtschaftung (max. 13 Tonnen pro Hektar bzw. 130 hl/ha entsprechend den DOCG-Regeln1). Im Vergleich zum Massen-Prosecco ist das ein klares Qualitätsmerkmal, auch wenn die Erträge im internationalen Qualitätsmassstab (Burgund, Champagne) noch immer sehr hoch liegen.
- Anerkennung in der Fachwelt: La Farra erhält regelmässig gute Kritiken (u. a. bei Falstaff sowie internationalen Fachmedien und Kennern), hat aber bisher noch keine Tre Bicchieri im Gambero Rosso oder vergleichbare Top-Platzierungen bei Daniele Cernilli (Doctor Wine) erreicht. Das macht das Weingut zu einem echten Insider-Tipp für anspruchsvolle Weinliebhaber, die unabhängig von grossen Guides nach authentischen, terroirgeprägten Weinen suchen – ganz im Sinne der Philosophie von Champagne de Vignerons.
1 Das ist der gesetzlich zulässige Höchstertrag für die Conegliano-Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG (damit auch für die Rive). Viele Qualitätsproduzenten wie La Farra bleiben in der Praxis deutlich darunter (oft 80–110 hl/ha), um konzentriertere Trauben zu erhalten. Hingegen gehen viele industrielle Prosecco-Produzenten (vor allem im DOC-Bereich) deutlich höher. Wichtig ist, dass Glera als deutlich ertragreichere Rebsorte als Pinot Noir oder Chardonnay gilt, und die Charmat-Methode erlaubt höhere Erträge, ohne dass der Wein zusammenbricht.

Die Weine im Glas
Die drei 2025er aus den Rive di Farra di Soligo zeigen eindrucksvoll, wie dieselbe steile Lage je nach Dosage unterschiedliche Facetten offenbart – immer mit derselben eleganten, mineralisch geprägten Handschrift. Die Weine wurden zwischen dem 2. und dem 4. Mai im Champagnerglas (Link) der Josephinenhütte verkostet, das wir in einem entsprechenden Bericht (Link) bewertet haben.
Rive di Farra di Soligo Extra Brut Millesimato 2025, Valdobbiadene Prosecco Superiore
100 % Glera. 11,5 Volumenprozent Alkohol.
Feinste, cremige Perlage. Durchaus überzeugende, verführerische, anspruchsvolle, reintönige und komplexe Nase, die uns zeigt, dass der Spagat in der Qualität der Prosecco-Weine sehr gross sein kann. Es handelt sich da eindeutig um grosses Kino. Im Duft dominieren knackige grüne Birne, ein Hauch von Passionsfrucht, weisse Blüten, etwas frische Brioche und eine deutliche mineralische Note (zerstossene Muscheln, leicht harzige Frische). Im vollmundigen und saftigen Gaumen ist er raffiniert, trocken, geradlinig und energiegeladen. Die lebhafte Säure trägt die Frucht wunderbar, die Textur ist schlank und präzise, die Aromen im gleichen Register wie im Bouquet, wobei man das Gefühl hat, nasse Steine zu lecken, das Finish ist lang und mit einer feinen, salzigen Mineralität. Keine harte Kante, sondern reine, elegante Spannung. Eindeutig die spannendste der drei Flaschen – sie zeigt am klarsten das Potenzial der steilen Rive-Lage und kommt einem „Champagne de Vignerons“-Gefühl am nächsten. 17.75-18/20 (92–93/100). Exzellent, mit grossem Charakter und Trinkfreude. Man schenkt sich gerne ein zweites Glas ein.
Fazit
La Farra zeigt auf beeindruckende Weise, dass Prosecco aus den steilen Rive von Farra di Soligo weit mehr ist als nur ein fröhlicher Alltagsbegleiter. Mit ihren drei 2025er-Weinen – Extra Dry, Brut und Extra Brut – liefert die Familie Nardi ein elegantes, mineralisch geprägtes Terroir-Portrait aus den Höhenlagen von Valdobbiadene.
Wer bisher dachte, echte Spannung und Präzision im Glas gäbe es nur bei Champagne de Vignerons, sollte diese Flaschen unbedingt probieren. La Farra beweist: In den richtigen Händen und in den richtigen Lagen kann auch Prosecco echte Tiefe, Struktur und Herkunftstreue entwickeln – ohne dabei seine frische, italienische Seele zu verlieren.




