Mitte Mai dieses Jahres hatte ich die Freude und Ehre, Juror beim „Concours International Grenaches du Monde“ (Link) zu sein. Der Weinwettbewerb fand diesmal in Argelès-sur-Mer im Roussillon statt – in der Region, in der er 2013 ins Leben gerufen worden war. Gut zwei Veranstaltungstage dort bescherten mir einmal mehr Begegnungen mit interessanten Menschen und Weinen.

Anbauregionen der Rebsorte
Die Familie der Rebsorte Grenache stammt ursprünglich – die Spur reicht zurück bis 153 v. Chr. – aus der Nähe von Calatayud in Aragon, Spanien (Link), wobei sie erst 1513 in dem Werk „Agricultura General“ (oder „Obra de Agricultura“) von Gabriel Alonso de Herrera unter dem Namen „Aragones“ oder „Tinto Aragonés“ erwähnt wurde. Ihr eigentlicher Name ist deshalb Garnacha. Es wird oft erwähnt, dass die Rebsorte im Mittelalter dank der Expansion der Krone von Aragon ins Roussillon gelangte. Diese Region gehörte jedoch mehrere Jahrhunderte lang zu den aragonesischen Gebieten (Königreich Mallorca, später Krone von Aragon), bis sie durch den Pyrenäenvertrag von 1659 an Frankreich angegliedert wurde. Die Rebsorte Grenache war zum Zeitpunkt der französischen Gebietsübernahme bereits auf beiden Seiten der Pyrenäen fest etabliert. Diese gemeinsame Geschichte erklärt, warum das Roussillon und Aragon auch heute noch als historische Wiegen dieser Rebsorte gelten.

Laut der Webseite (Link) des Wettbewerbs „Grenaches du Monde“ liegt die Sortenfamilie mit 163.000 Hektar auf Platz 7 der weltweiten Anbaufläche. Andere Quellen geben denselben Rang an, beziffern die weltweite Rebfläche jedoch auf mehr als 190.000 Hektar. Kultiviert wird Garnacha bzw. Grenache auf allen fünf Kontinenten. Etwa 90 Prozent der Produktionsfläche liegen in Europa, und für die europäischen Weine gibt es sogar eine eigene Webseite (Link).
Die wichtigsten Erzeugerländer sind Spanien, Frankreich und Italien, die zusammen über 150.000 Hektar ausmachen.
Gemäss den Zahlen des Wine Economics Research Centre der University of Adelaide – siehe Einordnung unten – kommt Spanien auf rund 74.000 Hektar, Frankreich auf rund 70.000 Hektar und Italien auf rund 8.000 Hektar. Dahinter folgen Australien mit rund 6.000 Hektar und die USA mit rund 3.000 Hektar.
In Spanien wird die Sortenfamilie hauptsächlich in Aragon, Navarra, der Rioja und Castilla-La Mancha angebaut. In Frankreich ist sie an der südlichen Rhône, im Roussillon, im Languedoc und in der Provence am stärksten verbreitet. Dabei ist sie in über 100 spanischen und mehr als 150 französischen geschützten Ursprungsbezeichnungen (DO/DOP bzw. AOC/AOP) zugelassen. Es gibt insgesamt über 150 Sortenbezeichnungen – darunter naheliegende wie Granaxia oder Guarnaccia, aber auch schwer erkennbare wie Alicante, Lladoner oder Tai Rosso. In Katalonien heisst die Sorte Garnatxa, auf Sardinien Cannonau.

Hintergrund des Wettbewerbs
Weil die Rebsortenfamilie Garnacha/Grenache in Südfrankreich und Nordspanien eine so grosse Bedeutung hat, konzipierte der Conseil Interprofessionnel des Vins du Roussillon (CIVR) (Link) 2013 den internationalen Weinwettbewerb „Grenaches du Monde“ (Link). Erstmals fand er 2016 in Aragon, der Herkunftsregion der Rebsorte, statt; Gastgeber war der Gemeindeverband Campo de Borja (Link). 2017 war Sardinien Veranstaltungsort, 2018 der Gemeindeverband Terra Alta (Link) in Katalonien.
Nach zwei Wettbewerben in Okzitanien – 2019 in Perpignan und 2020 in Montpellier – gab es 2021, zum fünfjährigen Bestehen, vier parallele Verkostungen in Cebreros (Spanien), Châteauneuf-du-Pape und Perpignan (Frankreich) sowie Ascoli Piceno (Italien).
Danach wurde der geographische Radius der Veranstaltungsorte zeitweise grösser: 2022 folgte Navarra, 2023 New York und 2024 Paris, bevor der Wettbewerb 2025 wieder in Aragon stattfand, diesmal in
Cariñena. 2026, im zehnten Jahr seines Bestehens, kehrten die „Grenaches du Monde“ nun vom 10. bis 13. Mai ins Roussillon zurück, ausgerichtet vom Gemeindeverband Albères – Côte Vermeille – Illibéris (CC ACVI), dessen Sitz sich in Argelès-sur-Mer befindet.
Die Veranstalter schreiben dazu auf der Webseite des Wettbewerbs (Link), er habe „im Laufe der Jahre seinen Status als unverzichtbares Treffen rund um die Rebsorte Grenache und ihre Terroirs aus aller Welt kontinuierlich gefestigt“. Seine Rückkehr ins Roussillon „erinnert daran, dass die Grenache-Traube eine Rebsorte der Geselligkeit ist, aber auch eines der wichtigsten Symbole für die Widerstandsfähigkeit des Weinbaus angesichts der klimatischen Herausforderungen, denen der Mittelmeerraum ausgesetzt ist“.
Auftakt zum Wettbewerb 2026
Das Programm des Wettbewerbs 2026 umfasste vier Tage, wobei der erste und der letzte im Wesentlichen der An- und Abreise der Jurymitglieder dienten. Am Abend des ersten Tages kamen alle Teilnehmer zu einem Begrüssungsempfang zusammen. An den beiden eigentlichen Veranstaltungstagen fanden jeweils vormittags die Wettbewerbsverkostungen statt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen gab es nachmittags Weinpräsentationen von Produzenten aus dem Roussillon mit freier Verkostung, bevor ein gemeinsames Abendessen den Tag beschloss.
Der Begrüssungsabend spielte sich im Grand Hôtel du Golfe (Link), direkt an der Küste in Argelès-sur-Mer ab – im Restaurant und auf der Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer. Zur Selbstbedienung standen mehrere Dutzend Weiss-, Rosé- und Rotweine sowie natürliche Süssweine (VDN) bereit. Dazu gab es ein Buffet mit Fingerfood: kalte Gemüse- und Fleischvorspeisen, als warme Speisen Garnelen, Kroketten und Mini-Burger sowie abschliessend Desserts von Keksen über Früchte mit Zabaione, Obsttörtchen und Vanillecreme bis zu Mousse au chocolat. Es herrschte eine ungezwungene, kommunikative Stimmung – Menschen lernten sich kennen oder trafen sich wieder und unterhielten sich angeregt auf Französisch, Katalanisch, Englisch, Italienisch oder Spanisch.
Dieses flexible Konzept bot jedem Gast die Chance, zu einer individuellen Zeit anzukommen oder zu gehen, und war ein sehr gelungener Auftakt der Veranstaltung. Bereits bei diesem ersten Weinbuffet fielen mir bei der Verkostung mehrere Produzenten positiv auf – in alphabetischer Reihenfolge: Château des Hospices de Canet (Link), Château Valmy (Link), Domaine Cazes (Link), Domaine Lafage (Link), Domaine Vaquer (Link), Jonquères d’Oriola (Link), Les Vignerons de Trémoine (Link), Les Vignerons Tautavel Vingrau (Link), Res Fortes (Link) und Terrassous (Link). Manche von ihnen kannte ich schon vorher, doch der überwiegende Teil waren neue Entdeckungen. Einige dieser Betriebe begegneten mir im Laufe der beiden folgenden Tage noch mehrfach wieder und bekräftigen dabei diesen ersten guten Eindruck.
Abschliessende Worte
Der „Concours International Grenaches du Monde“ 2026“ (Link) war ausgesprochen gut organisiert und mit einem äusserst reizvollen Rahmenprogramm garniert, in dem wir das Roussillon als eine der wichtigen Heimatregionen der Rebsortenfamilie mit allen Sinnen erleben konnten. Das Zusammentreffen mit Weinprofis aus Europa und Übersee, die ihre Expertise und Präferenz für Grenache alias Garnacha vereint, war eine bereichernde Erfahrung, und die Weine, die wir während unseres Aufenthalts verkosten durften, zeigten die Vielfalt und das Qualitätspotenzial der Sortenfamilie.
Wenn ich oben geschrieben habe, bestimmte Produzenten seien mir positiv aufgefallen, so bedeutet das: Ich habe während der freien Verkostungen und der Mahlzeiten mindestens einen, in den meisten Fällen mehrere Weine des besagten Erzeugers probiert, und diese haben mir besonders gefallen und mich qualitativ überzeugt. Dies ist keine Aussage über einzelne Weine oder das gesamte Sortiment des betreffenden Betriebs, sondern soll eine Inspiration bieten, um sich näher mit dessen Angebot zu befassen und die Weine selbst kennenzulernen. Dass ich von einigen Erzeugern mehrere Weine probieren konnte, lag massgeblich an ihrer Präsenz im Rahmen der Veranstaltung, d. h. mit wie vielen Weinen sie zum einen am Wettbewerb und zum anderen an den Präsentationen teilgenommen haben.
Sechs Produzenten sind mir mehrfach positiv aufgefallen, so dass eine weitere Beschäftigung mit ihnen besonders lohnend erscheint:
- Sant Josep Vins (Link). Katalonien
- Château Valmy (Link), Roussillon
- Domaine Lafage (Link) , Roussillon
- Les Clos de Paulilles (Link), Roussillon
- Les Vignerons de Maury (Link), Roussillon
- Res Fortes (Link), Roussillon
Die Ergebnisse des Wettbewerbs selbst – die selbstverständlich viel umfangreicher und aussagekräftiger sind als meine subjektive Liste – sind auf der Webseite der „Grenaches du Monde“ (Link) zusammengestellt.










