Fabelhafte Weingüter (der) Schweiz

Die Buchreihe Unique Wineries of the World (Link) des Weinmagazins VINUM porträtiert seit Jahren her­ausragende Weingüter weltweit – innovative, nachhaltige und qualitativ führende Betriebe, die durch persönliche Geschichten, Handwerkskunst und zukunftsweisende Ansätze inspirieren. Nach Bänden zu Ländern und Regionen wie Österreich (Link) oder der Pfalz (Link) widmet sich der neueste Titel erstmals der Schweiz (Link).

Fabelhafte Weingüter Schweiz (erschienen am 12. Dezember 2025, 232 Seiten, Hardcover, CHF 24.90) stellt 50 ausgewählte Weingüter aus allen Schweizer Weinregionen vor. Die Autoren – Thomas Vaterlaus, Anick Goumaz, Nicole Harreisser, Miguel Zamorano, Kaspar Keller und Manon Hervé – legen den Fokus auf Innovation, Biodiversität, CO₂-Reduktion und authentisches Terroir-Denken. Ergänzt werden die Porträts durch 150 ausgewählte Weinempfehlungen, charmante Anekdoten der Winzer und Tipps für Degustationen, Food-Pairings sowie Weinberg-Besuche.

Im Folgenden finden Sie zunächst die offizielle Pressemitteilung, gefolgt von unserer persönlichen Ein­schätzung zu diesem längst überfälligen Buch, das die dynamische und qualitativ hochstehende Schweizer Weinwelt endlich gebührend ins Rampenlicht rückt.

Das Buch

Mit dem Buch «Fabelhafte Weingüter Schweiz» erschien am 12. Dezember 2025 ein aussergewöhnli­ches Weinbuch aus der renommierten VINUM-Reihe «UNIQUE WINERIES OF THE WORLD» (Link).

Das Werk porträtiert 50 sorgfältig ausgewählte Weingüter der Schweiz – Betriebe, die mit Innovati­onsgeist, QualitätsanspruchundRespektgegenüber der Natur denWeinbauvon morgen prägen. Die Leser erhalten persönliche Einblicke in die Geschichten der Winzerinnen und Winzer, entdecken 150 exklusive Weinempfehlungen und erfahren, wie nachhaltiger Anbau, Biodiversität und CO₂-Reduktion zu Weinen mit Charakter und Zukunft führen. Jede Seite vermittelt die Leidenschaft, das handwerkliche Können und die Innovationsfreude, die den Schweizer Weinbau heute auszeichnen.

Im Detail

  • 50 Portraits von 50 legendären Weingütern aus der ganzen Schweiz
  • 150 ausführlich beschriebene Weinempfehlungen mit Bild sowie zahlreiche weitere Tipps in den Portraits
  • Spannende Einblicke in die Schweizer Weingeschichte, die wichtigsten Rebsorten und die Regionen, in denen Wein wächst

Fakten zum Buch

  • Verlag: Intervinum AG, VINUM – Magazin für Weinkultur
  • Autoren: VINUM-Redaktion
  • Erscheinungsdatum: 12. Dezember 2025
  • Seiten: 232
  • Masse (B/H): 230 x 297 mm
  • Leseprobe
  • Jetzt das Buch bestellen

Eine Ansicht

Tyler Brûlé und die Marketing-Offensive für Schweizer Wein

2014 beauftragte Swiss Wine Promotion – SWP – (Link), die nationale Promotionsorganisation der Schweizer Weinbranche, Tyler Brûlés Agentur Winkreative (Link) mit der Entwicklung einer neuen vi­suellen Identität. Der in Zürich ansässige Kanadier – bekannt als Gründer von Wallpaper, Monocle und Schöpfer des erfolgreichen Re-Brandings der Swiss International Air Lines nach dem Swissair-Groun­ding – schuf ein modernes Logo in Rot-Weiss, das subtil die sechs Weinregionen und die «Swissness» andeutet, ohne das Schweizer Kreuz zu dominieren. Ergänzt wurde es durch eine optionale Banderole mit dezentem Kreuz für Flaschenhälse.

Bis und nach 2014

Ziel war es, Schweizer Wein als hochwertiges, komplexes und modernes (Premium-)Produkt zu positio­nieren und Stolz im Inland zu wecken sowie die internationale Wahrnehmung zu steigern. Die Kosten beliefen sich auf rund 200’000 Franken – ein Bruchteil dessen, was Brûlé einst für die Airline erhielt. Eine landesweite Kampagne folgte im Herbst 2014.

Ob diese Initiative wirklich «Früchte getragen» hat, bleibt subjektiv. Das Logo ist bis heute in Gebrauch und hat zur einheitlicheren Präsentation beigetragen, doch die Exportquote Schweizer Weine liegt weiterhin bei nur einem bis drei Prozent, und international bleibt das Image eher ein «Geheimtipp». Kritiker sehen in der subtilen, intellektuellen Herangehensweise Brûlés typische Stärke – elegant, aber vielleicht zu zurückhaltend für einen breiten Durchbruch. Dennoch hat sie der Marke Swiss Wine eine professionelle, zeitgemässe Ausstrahlung verliehen, die perfekt in die aktuelle Qualitäts- und Nachhal­tigkeitswelle passt.

Die gemäss Vinum seit 2022 „Winzerlegende“ (Link) Tom Litwan (Link) ist der neue Star vom Wine Advocate (Link)

The Wine Advocate

Seit Stephan Reinhardt (der Reviewer für Schweiz, Deutschland, Österreich etc.) regelmässig berichtet (seit ca. 2012/2013, jährliche Reports), hat sich viel bewegt: hunderte Weine mit 90+ Punkten, mehre­re mit 95 bis 99 Punkten und sogar ein perfekter 100-Punkter (Marie-Thérèse Chappaz’ Grain par Grain Petite Arvine 2021). Diese Notizen erreichen ein globales, einflussreiches Publikum (Sammler, Som­meliers, Importeure) und haben Produzenten wie Chappaz, Germanier, Donatsch oder Zündel auf die internationale Bühne gehoben. Events wie „Matter of Taste“ in Zürich mit WA-Beteiligung verstärken das. Viele Schweizer Winzer und Swiss Wine Promotion selbst feiern diese Reviews als Meilenstein – sie bestätigen Qualität objektiv und unabhängig.

Fazit

Marketing wie das von Brûlé ist wichtig für die Basis (einheitliches Image), aber echte Ausstrahlung kommt durch unabhängige, prestigeträchtige Bewertungen wie WA, die signalisieren: „Das ist ernst zu nehmende Weltklasse.“ Die Punkte und Reports haben mehr bewegt als das Logo. Schweizer Wein bleibt ein „best kept secret“, aber dank WA wird das Geheimnis langsam gelüftet.

Föderalismus vs. Terroir – Wie internationale Kritik die Schweiz differenzierte

Swiss Wine Promotion blieb lange dem schweizerischen Föderalismus verpflichtet und präsentier­te die sechs Weinregionen möglichst ausgewogen und gleichberechtigt. Diese konsensorientierte Stra­tegie hatte den Vorteil der Solidarität, glättete jedoch oft die markanten Unterschiede zwischen den Ter­roirs.

Internationale Kritiker wie The Wine Advocate interessierten sich für solchen Proporz nicht – sie be­werteten rein nach Qualität und Charakter. Und sie setzten den Akzent immer wieder auf die Rebsorten. Daher ist das entsprechende Kapitel im Buch so wertvoll. «In der Schweiz, auf die gerade einmal 0.2 Prozent des weltweiten Weinanbaugebiets entfallen, sind 252 Rebsorten, von denen 168 in einer kan­tonalen AOC registriert sind, in der Bundesstatistik aufgeführt.»

Dadurch rückten plötzlich die Spezifika jeder Region ins Zentrum: die mineralische Frische der Wallis-Weine, die burgundische Eleganz der Drei-Seen-Region und der Deutschschweiz, die mediterra­ne Kraft des Tessiner Merlot, die aromatische Exotik autochthoner Sorten wie Petite Arvine, Humagne, Comple­ter oder noch Bondola und Durize oder Lafnetscha. Faktoren wie Höhenlage, Seeeinfluss, Sonnenein­strahlung oder Bodentyp wurden als entscheidende Qualitätsmerkmale erkannt und ge­feiert. Ohne dass die Autoren dieses grossartigen Werks in die Falle eines ABC-Buches à la Jacques Pré­vert tappen oder eine Doktorarbeit verfassen, um die Unterschiede zwischen dem Merlot im Tessin und im Waadtland oder zwischen dem Divico in Genf und in der Deutschschweiz zu erklären.

Dieses neue, regionenbezogene Bewusstsein hat die Schweizer Weinwelt nachhaltig verändert. Die Winzer selbst betonen heute stärker ihre lokalen Besonderheiten, und die Konsumenten – im In- und Ausland – entdecken eine faszinierende Vielfalt statt eines einheitlichen „Swiss Wine“. Die internatio­nale Kritik hat somit mehr zur Differenzierung und Selbstfindung der Schweizer Weinlandschaft beige­tragen als manche nationale Kampagne. Es sind Journalisten wie Stephan Reinhardt, die die neuen und jungen Winzergenerationen aus der Starre und manchmal auch aus der Zuflucht befreien werden, in der sich ihre Eltern wohl fühlten. Es geht nicht mehr darum, Schweizer Wein zu produzieren, sondern Wein aus Luzern, Wein aus Dardagny, Wein aus tausend Orten, die alle ihre Besonderheiten haben. Genau diese Besonderheiten machen einen Pinot Noir von Gantenbein – der im vorliegenden Band noch nicht vertreten ist – nicht zu einer Kopie eines burgundischen Grand Cru, sondern zu einem herrlichen Wein, der die organoleptischen Eigenschaften der Rebsorte und die Merkmale seines Geburtsortes Fläsch auf wunderbare Weise vereint.




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.