Der Merum Taschenführer Olivenöl 2015: Die strengste Selektion italienischer Olivenöle

2014 war für die Olivenbauern ein extremes Jahr mit großen Ertrags- und Qualitätseinbußen in nahezu allen Regionen Italiens. Schuld daran war vor allem die Olivenfliege, die nicht nur in der Toskana, sondern in ganz Mittel- und Norditalien die Oliven systematisch zerstört hat. Doch nicht nur die Menge ist gering, es gab definitiv auch weniger Öle, die dieses Jahr begeistern konnten.

Merum2015Jedes Frühjahr veröffentlicht Merum den Taschenführer Olivenöl mit den besten italienischen Ölen. 2015 wählte das Merum-Verkosterteam die besten 2014er-Olivenöle aus. Aufgrund der mageren Ernte wurden der Redaktion nur 257 Muster zugeschickt, weniger als die Hälfte der üblichen Menge. 124 Öle werden publiziert, die restlichen 133 Muster weisen nicht tolerierbare Fehler auf und werden nicht veröffentlicht.

Merum-Redakteur Jobst von Volckamer, verantwortlich für die Olivenöl-Selektion: „Schon im Vorfeld der Verkostung war klar, dass wir im Allgemeinen keine besonders hohe Ölqualität erwarten durften, trotzdem stand es außer Frage, dass wir unseren strengen Bewertungskriterien treu bleiben und sie nicht in Hinblick auf den schwachen Jahrgang aufweichen würden. Das Resultat sind somit überdurchschnittlich viele Öle mit einem halben Herz und verhältnismäßig wenige mit zwei Herzen. Die drei Herzen konnten in diesem Jahr leider gar nicht vergeben werden.“

Apulien setzt seinen Weg fort
Dass es in Apulien mit der Qualität stetig aufwärts geht, bestätigt auch die aktuelle Selektion. Für die Merum-Verkoster entwickelt sich die Sorte Coratina zum eigentlichen Star unter den apulischen Olivensorten, ihre Öle sind sehr präzise, strukturiert und robust. Zahlreiche Produzenten haben sich in den letzten Jahren eine eigene, moderne Mühle angeschafft, die Qualität ihrer Öle zeigt, dass diese Investition zum Ziel führt.

Toskana wenig toskanisch
Viele der besten Öle der Toskana lassen dieses Jahr toskanischen Charakter vermissen. So sind zum Beispiel die grasigen Noten von Moraiolo-Oliven oder der Kaffeeduft der Sorte Frantoio selten zu riechen. Dafür besitzen sie eine würzig-gemüsige Komponente, die an Stangensellerie und Muskatnuss erinnert. Und auch die ausgeprägte Adstringenz, die diese Öle im Mund verursachen, ist typisch für die apulische Sorte Coratina. Tatsächlich wurden bedeutende Mengen Coratina-Oliven aus Apulien und der Basilikata in toskanischen Ölmühlen verarbeitet – wie übrigens auch in anderen Regionen Mittel- und Norditaliens.

Befallene OlivenDramatisch schlechter Jahrgang
Nicht nur Italien hatte enorme Ernteeinbußen zu verzeichnen, auch Spanien erntete mit 830 000 Tonnen nur gerade die Hälfte des Vorjahres. Dafür hatten Griechenland mit 300 000 Tonnen (2013: 130 000) und Tunesien mit 260 000 Tonnen (2013: 70 000) mehr Glück.

Noch liegen keine definitiven Zahlen vor, die Schätzungen wurden seit dem letzten Herbst immer pessimistischer. Zu befürchten ist, dass die wahren Produktionsmengen weit unter 200 000 Tonnen liegen, ein Drittel der mittleren Erntemenge. Italien, die frühere Nummer Eins, rutscht nun auf Platz Vier der Produktionsweltrangliste, hinter Spanien, Griechenland und Tunesien.

Andreas_März

Andreas März

War es in Spanien die Trockenheit, die den Olivenbäumen zu schaffen machte, dezimierte in den nord- und mittelitalienischen Olivenhainen die Olivenfliege den Ertrag, der aufgrund eines schwachen Fruchtansatzes ohnehin gering ausgefallen wäre. Ideale Bedingungen für eine nie dagewesene Ausbreitung des Insekts waren das feuchte, niederschlagsreiche Wetter und die warmen, aber nie heißen Temperaturen. Merum-Chefredakteur Andreas März: „Die hitzebedingte, natürliche Sterblichkeit der Insekten fand nicht statt, so dass die Fliegen sich in einem nie dagewesenen Maß vermehren konnten. Zu einem riesigen Heer angewachsen, machten sie sich im Herbst gierig über die bald pflückreife Ernte her und verübten an ihr einen buchstäblichen Overkill. In manchen Gegenden fielen die Oliven, von Larvengängen und beginnender Fäulnis völlig verunstaltet, bereits vor dem Erntetermin zu Boden.“

Was ist Merum?
Merum, die Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien, setzt sich seit Jahren für Qualität und Transparenz auf dem Olivenöl-Markt ein. Chefredakteur Andreas März, seit über 30 Jahren selbst Olivenbauer und Ölmüller in der Toskana, klärt mit seinem Team mit großer Leidenschaft und wissenschaftlichem Anspruch Olivenölliebhaber im deutschsprachigen Raum auf. Merum gilt als eine der bestinformierten und unabhängigsten Publikationen auf diesem Gebiet.

Der Merum Taschenführer Olivenöl 2015 kann auf www.merum.info für 8 Euro bestellt werden. Merum Selezione Olio 2015: Italiens beste Olivenöle… und wer sie produziert. Kompakt auf 88 Seiten, im praktischen Format (10 x 17 cm), vierfarbig.

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