2 Trockenbeerenauslesen und 1 Ruster Ausbruch

So sollte der Titel des vorliegenden Verkostungsberichtes ursprünglich lauten, deshalb auch das gemeinsame Foto aller drei Flaschen. Bei der Verkostung habe ich einmal mehr festgestellt, dass Rust und Illmitz geographisch zwar nicht sehr weit auseinanderliegen, die Weine und deren Stilistik , abgesehen von der natürlichen Restsüsse, nur sehr schwer vergleichbar sind. Also habe ich auf eine Gegenüberstellung verzichtet. Stattdessen sind zwei separate Berichte entstanden.


2001 Welschriesling Trockenbeerenauslese Nr. 5 Zwischen Den Seen Weinlaubenhof Kracher Illmitz
Intensives, klares, im Licht glänzendes Goldgelb mit leichten, orangen Reflexen.

Sehr intensives, florales, medizinales (jodiges) Bouquet, welches durch tropische Früchte wie getrockneten Mango-Schnitzen, frisch entzwei geschnittenen Maracuja-Früchten und rosinierte Weinbeeren ergänzt wird.

Im Auftakt recht ölig (nicht ganz so heftig wie beim Ruster Ausbruch – siehe weiter unten), ergänzt und gut abgestützt durch eine schöne Säure. Am Gaumen sind die floralen Eindrücke intensiver als im Bouquet, auch ist da eine verspielte, mineralische Salzigkeit, welche den Speichelfluss anregt. Dies deutet auf einen warmen Jahrgang hin, denn in solchen konzentrieren sich die mineralischen Einflüsse über das normale Mass hinaus. Unglaublich lang diese Salzigkeit im nicht endend wollenden Finish…

Was die Frucht betrifft, empfinde ich diesen Wein im aktuellen Stadium als nicht so opulent, wie er sein könnte, sondern eher verhalten, sich verschliessend. Dies ist aber gar kein Grund zur Beunruhigung, sondern das genaue Gegenteil. Aus eigener Erfahrung weiss ich doch, dass die Kracher Trockenbeerenauslesen, je länger diese reifen können, umso komplexer werden und sich die Frucht in zunehmendem Mass entwickelt und die üppige Süssigkeit dafür etwas in den Hintergrund tritt. Mit zunehmender Entwicklung kommen am Gaumen nebst der Salzigkeit auch eine wunderschöne Zitrusfrucht (rosa Grapefruit) ins Spiel. 18.75/20.

Nachtrag: Ich verkoste diesen Wein zwei Tage später aus der noch zur Hälfte gefüllten Flasche erneut. Nach wie vor ein sehr intensives, florales, medizinales (jodiges) Bouquet, allerdings sind die Zitrusaromen (ein Mix von weisser und rosa Grapefruit) viel stärker in den Vordergrund getreten, auch die Maracuja ist um einiges stärker wahrnehmbar als bei der ersten Verkostung. Gegenüber dem Ruster Ausbruch hat sich dieser Wein schön geöffnet und ist im Bouquet komplexer, vielschichtiger geworden. So eine Nase macht einfach Spass! Mit der zunehmenden Temperatur des Weines wird auch die Fruchtsüsse etwas deutlicher wahrnehmbar, zudem erscheint mir das Bouquet cremiger (Diplomat Törtchen mit einem Schnitz frischer Ananas obendrauf. Am Gaumen recht ölig, die mineralisch – salzigen Komponenten und die schöne Säure ergeben ein gutes Gleichgewicht. Auch am Gaumen ist die florale Wahrnehmung in den Hintergrund gerückt, dafür ist die Zitrusfrucht (Grapefruit) viel stärker präsent, inklusiv einer leichten, noblen Bitterkeit (wie bei der Grapefruit üblich). Auch sind nun andere Fruchtkomponenten schön wahrnehmbar, welche sich vor zwei Tagen so noch nicht zeigten: Mirabellen und etwas Pfirsich, wunderschön ergänzt von der schon erwähnten, leichten Bitterkeit und der Salzigkeit. Insgesamt hat der Wein deutlich an Finesse gewonnen. 19.25/20.

2001 Trockenbeerenauslese Nr. 6 Grande Cuvée Nouvelle Vague Weinlaubenhof Kracher Illmitz
Intensives, klares, im Licht glänzendes Goldgelb mit leichten, orangen Reflexen.

Ein sehr rauchiges, getoastetes Bouquet mit viel neuem Holz! Ergänzt durch einen ganz dezenten Duft nach Birnen belle Hélène (allerdings ohne Schokoladensauce und auch nicht etwa aus der Konservendose stammend!). Nach einigen Minuten im Glas wird das Bouquet zunehmend fruchtiger,  die exotischen Früchte kommen immer mehr zur Geltung: Maracuja, frischer, hochreifer Mango, reifer Papaya. Das Ganze Bouquet ist frisch und noch sehr, sehr jugendlich, wie wenn dieser Wein erst vor wenigen Wochen abgefüllt worden wäre. Wie auch schon beim Welschriesling ist beim Grande Cuvée eine salzig – mineralische Note wahrnehmbar, allerdings um einiges weniger intensiv. Am Gaumen nie so ölig wie der Welschriesling, schlank und elegant, dafür komplexer und viel verschlossener. Dieser Wein wird noch mehrere Jahre bis zum nächsten, optimalen Genussfenster benötigen. Im langen finessenreichen, filigranen Abgang taucht auch bei diesem Wein die Gebiets- und Weintypische salzige Mineralität auf. Unbedingt Geduld haben, diese wird reich belohnt werden! 19/20.

Nachtrag: Ich verkoste diesen Wein zwei Tage später aus der noch zur Hälfte gefüllten Flasche erneut. Die rauchigen, toastigen Aromen sind deutlich in den Hintergrund getreten. Dafür ist die Fruchtsüsse viel deutlich ausgeprägter. Rosinierte Trauben, eingekochte und getrocknete Birnen harmonieren wunderschön. Dezent im Hintergrund auch exotische Frucht wie getrocknete Mango-Schnitzen und reifer Papaya. Am Gaumen ist das Ganze nach wie vor, wie wenn der Wein eben erst abgefüllt worden wäre. Das Holz ist markant, aber nicht zu dominant, d.h. es wird sich schön einbinden. Die Öligkeit zeigt sich heute aber um einiges prägnanter, auch sind die salzig – mineralischen Elemente stärker wahrnehmbar und das Ganze wird wunderschön durch die Säure ergänzt. Dieser Wein wird noch mehrere Jahre bis zum ersten, richtig optimalen Genussfenster benötigen. Warten!  Das wird mit Sicherheit reich belohnt werden! 19.5/20

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