Am 9. Januar 2026 fand zum zweiten Mal der „Eurovino Day“ in Karlsruhe statt. Gut sieben Wochen vor der Fachmesse „Eurovino“ (Link) am 1. und 2. März versammelte die Tagung über 70 Fachleute zum Austausch über die aktuelle Situation in der Weinwirtschaft.
Über die herausfordernden Rahmenbedingungen haben wir in einigen unserer Newsletter im vergangenen Jahr berichtet. Beim „Eurovino Day“ fasste Matthias Abt, Verkaufsleiter beim Münchener Importeur Saffer Wein (Link), sie in einem Vortrag noch einmal zusammen:
- Der Weinmarkt befindet sich in einer Bereinigung; der Konsum geht zurück.
- Die Konsumenten sind verunsichert. Sie legen grösseren Wert auf gesundheitliche Aspekte, hinterfragen gewohnte Produkte und suchen Sonderangebote.
- Der Handel kämpft mit erheblichen Personalproblemen. Der Druck auf die Erträge steigt, während die Umschlagshäufigkeit sinkt. Darauf reagiert vor allem der Lebensmittel-Einzelhandel (LEH), indem er die Verkaufsfläche für Wein verkleinert, verstärkt auf Aktionen und besonders verkaufsstarke Weine setzt sowie Entscheidungen und Logistik
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Ausgehend von diesen Prämissen bot der „Eurovino Day“ anschliessend zwei Diskussionsrunden, die sich mit der Situation im Weinhandel und in der Gastronomie befassten. Daran nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus dem Fachhandel, dem LEH, dem Grosshandel, der Gastronomie und Hotellerie sowie aus der Weinproduktion teil; weitere Teilnehmerinnen waren Susanne Platzer von der Agentur Culinarium Bavaricum (Link) und Prof. Dr. Ruth Fleuchaus von der Hochschule Heilbronn. Die wesentlichen Statements und Erkenntnis der beiden Diskussionsrunden fassen wir für Sie im Folgenden zusammen:
- Für die Weinauswahl seitens des Fachhandels sind die Analyse der Kundenstruktur, die Kundensegmentierung und das Datenmanagement wichtig. Auch die Vertriebsstrategie und das Warenwirtschaftssystem spielen eine Rolle. Der Trend zu mehr Regionalität ist auch beim Weinangebot im LEH zu beobachten, und im LEH wie im Fachhandel ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der Weine entscheidend.
- Sowohl im Fachhandel als auch in der Gastronomie ist die Beziehung zum Weingut wichtig; die persönliche Sympathie ist nicht zu unterschätzen. Wenn der Wein und der Winzer überzeugen, sind auch intuitive Einkäufe möglich. Darüber hinaus ist das Storytelling von grosser Bedeutung: Weine brauchen eine Geschichte.
- Für die Platzierung von Weinen auf den Weinkarten der gehobenen Gastronomie ist die Kommunikation seitens der Lieferanten entscheidend. Deren Vertriebsmitarbeiter können durch Schulungen sowie Reisen und Events unterstützt werden. Sofern die Lagerbedingungen im Restaurant geeignet sind, können Lieferanten Gastronomen auch hochwertige Weine in kleinen Mengen auf Kommissionsbasis zur Verfügung stellen, um die Resonanz bei den Gästen zu testen. Die Lieferanten sollten dafür sorgen, dass Weine aus ihrem Sortiment, die in der gehobenen Gastronomie auf der Karte stehen, nicht auch im Internet erhältlich sind. So steigern sie die Exklusivität und vermeiden die Preis-Vergleichbarkeit, die für Gastronomen problematisch ist.
- Gäste wünschen sich weniger starre Konzepte in der gehobenen Gastronomie. Weniger Zwang (z. B. bei Menüs) und mehr Flexibilität sorgen dafür, dass Gäste öfter kommen. Wer das Geld hat, um jeden Tag essen zu gehen, überlegt sich genau, wohin er geht. Dabei spielen das Erlebnis und die Preiskalkulation eine wesentliche Rolle. Susanne Platzer betonte: „Der Gast will einen Grund dafür, mehr Geld auszugeben als nötig. Fachpersonal, das ein solches Erlebnis schafft, bietet genau den Mehrwert, den der Gast sucht.“
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Als Kernpunkte stechen aus dieser Zusammenfassung das Kauf- und Genusserlebnis für den Kunden oder Gast sowie die Fachkompetenz des Personals in Handel und Gastronomie heraus. Darauf wird es ankommen, um künftig erfolgreich zu sein. Für die Produzenten ist das Preis-Qualitäts-Verhältnis ihrer Weine massgeblich, das die Konsumenten, Händler, Gastronomen und Sommeliers gleichermassen zu überzeugen hat. Das sind zum Jahresauftakt konkrete, aber auch weiterhin herausfordernde Perspektiven.




