David Duband: Der Jahrgang 2024

David Duband – ein stiller Meister der Côte de Nuits

Wenn ein Winzer an der Côte de Nuits aus bescheidenen Anfängen heraus zu einem der feinsinnigsten Interpreten des burgundischen Terroirs wird, dann lohnt es sich, genau hinzuschauen. Die Domaine David Duband (Link) ist genau dieses faszinierende Beispiel: ein Weingut, das seit über drei Jahrzehnten mit stiller Entschlossenheit, höchster Präzision und tiefem Respekt vor der Natur grosse Weine hervorbringt – und dabei eine der konsequentesten biologisch-biodynamisch orientierten Philosophien der Region lebt.

Die Lage Louis Auguste in Chevannes

Wir bei Vinifera-Mundi verfolgen die Entwicklung dieser Domaine nun schon seit fast zwanzig Jahren. Bereits in den frühen 2000ern haben wir die ersten vorsichtigen Schritte von David Duband beobachtet – vom jungen Winzer, der 1991 im Alter von nur 20 Jahren das Ruder übernahm, bis hin zum Aufbau einer eigenen, unverwechselbaren Identität. Ab den Jahrgängen 2014 und 2015 begannen wir dann, die Weine systematisch und regelmässig zu verkosten und zu bewerten. Schon damals waren wir beeindruckt von der wachsenden Reinheit, der eleganten Struktur und der bemerkenswerten Terroir-Treue, die sich von Lage zu Lage immer klarer zeigte.

Unsere aktuellsten Bewertungen der Erzeugnisse der Domaine finden Sie hier:

Was uns besonders fasziniert: Hier trifft eine tief verwurzelte Handwerkstradition auf eine moderne, minimalistische Vision. David Duband hat das Familiengut nicht nur übernommen, sondern konsequent weiterentwickelt – von der schrittweisen Umstellung auf biologische Bewirtschaftung (zertifiziert seit 2006) über die Einführung hoher Ganztrauben-Anteile bis hin zu einer sanften, interventionsarmen Vinifikation, die den Weinen eine luftige, duftige und gleichzeitig langlebige Eleganz verleiht.

Am 14. November 2025 standen wir vor den 2024er-Weinen – einem der herausforderndsten Jahrgänge der jüngeren burgundischen Geschichte. Trotz extrem niedriger Erträge durch massiven Krankheitsdruck und widrige Witterung hat David Duband Weine von aussergewöhnlicher Finesse, Frische und Präzision geschaffen. Weine, die nicht mit Opulenz, sondern mit ätherischer Leichtigkeit, feiner Mineralität und kristalliner Reintönigkeit überzeugen.

Die Domaine David Duband istkein lautes Statement-Weingut. Es ist die gelungene Geschichte eines stillen Meisters, der zeigt, dass wahre Grösse im Burgund aus Geduld, Beobachtung und Respekt vor dem Terroir entsteht. Von den ersten Notizen aus 2014/2015 bis hin zu den spannenden 2024ern, die trotz aller Widrigkeiten das Potenzial dieser Domaine erneut unter Beweis stellen – wir laden Sie ein, uns auf dieser faszinierenden Reise zu begleiten.

Die Weine

David Duband hat mir freundlicherweise die Wahl gelassen, welchen Jahrgang zwischen 2023 und 2024 ich verkosten möchte. Ich habe mich natürlich für den zweiten entschieden, der einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen hat. So sehr, dass ich mich dazu motiviert fühlte, den Artikel «2021: Der Burgunder-Jahrgang, der sich weigerte unterzugehen» über den Jahrgang 2021 zu schreiben, der sich letztendlich nicht vorzeitig verabschieden will. Beide Jahrgänge verzeichneten aufgrund der Ausbreitung von Krankheiten sehr geringe Erträge. Und doch, auch wenn sie das beeindruckende Niveau des Jahrgangs 2012 nicht ganz erreichen, bieten die Weine beider Jahrgänge viel Genuss. Das sind Jahrgänge voller Subtilität, Raffinement und sogar Rasse. Selbstverständlich bei Winzer*innen, die pflichtbewusst und unermüdlich arbeiten. Bei den Erzeugnissen von David Duband fällt die ausserordentliche Finesse in der Nase, dann im vorderen Teil des Gaumens auf, bevor die Weine dann eine Kraft zeigen, die sich mit der Zeit entfalten wird. Ohne Monster wie z. B. aus dem Jahr 2022 zu werden, aber auch ohne mindestens 20 Jahre lang im Keller liegen zu müssen.

Hautes-Côtes de Nuits blanc 2024

Unmittelbar zugängliche, einladende, köstliche, reintönige Nase mit lebhaften Düften nach Zitronen und weiteren frischen Komponenten. Der Ausbau in Stockinger-Foudres tut diesem Wein richtig gut, das Holz begleitet den Wein von der Nase bis zum Abgang und verleiht ihm eine cremige Struktur. Geschmackvoller, präziser Gaumen, knackige Säure, die generösen Aromen entsprechen den Düften, weisse Blumen und Früchte runden das Bild ab, das macht richtig Spass für einen unmittelbaren Genuss. Durchaus anständiger Abgang, der dazu einlädt, sich ein zweites Glas einzuschenken. 17.25-17.5/20 (90-91/100).

Nuits-Saint-Georges 1er Cru Aux Thorey 2024

Zu 50 Prozent entrappt. Zurückhaltend bis introver­tiert. Ein Thorey, der sich noch nicht offenbart, dafür bereits eine raffinierte, delikate, ausgewogene und wie die vorherigen Erzeugnisse eine unwahrscheinlich reintönige und präzise Nase bietet. Dies, obwohl der Ertrag dramatisch niedrig gewesen ist. Bestimmt ha­ben die Rebstöcke es sogar ihrem Alter – sie sind zwi­schen 60 und 70 Jahre alt – zu verdanken, dass nicht alle Trauben verloren gegangen sind. Würzige Kom­ponenten, dunkle Beeren und erdige Elemente gestal­ten das Bouquet, in dem das Terroir sehr gut zum Vorschein kommt. Der Gaumen steht diesem in nichts nach und das Gan­ze dürfte in etwa zehn Jahren sehr viel Spass bieten. Ein sehr schöner, klassischer Nuits-Saint-Georges, der das Können des Winzers unter Beweis stellt. 17.75/20 (92/100).

Latricières-Chambertin (Grand Cru) 2024

Das klassisch verführerische und elegante Bouquet des Latricières von Duband ist zwar derzeit noch recht zurückhaltend, zeigt aber vielversprechendes Potenzial. Im Aromenbild dominieren Noten von schwarzen Johannisbeeren. Am Gaumen präsentiert sich der Wein raffiniert, seidig, geschmacksintensiv und geschmeidig, dabei jedoch mit kräftigen Tanninen, dazu köstlichen Noten von weissem Pfeffer und einem Hauch pürierter Erdbeeren. Alles ist wieder durchweg reintönig, präzis, wie in Rubinstein ziseliert, die Grundlage ist kühl mineralisch und der Abgang extrem langanhaltend. Unbedingt warten. 18.25+/20 (94+/100). Das Potenzial für eine höhere Bewertung ist klar vorhanden.




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