Confuron-Cotétidot
Der Jahrgang 2023 und weitere Entdeckungen

Der Jahrgang 2023 setzt – wie bereits der 2022er – sowohl weinfachlich als auch philosophisch einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Domaine. In einem der reifsten und wärmsten Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit zeigt sich der markante Hausstil der Confuron-Brüder besonders deutlich: kraftvoll, substanzreich und breitschultrig, geprägt von später Lese – der Ruf ist sogar, dass sie immer als letzte der Domaine aus Vosne-Romanée stattzufinden habe –, 100 Prozent Ganztraubenvergärung und längerem Fassausbau. Trotz hoher Reife bewahren die Weine dank der Stiele eine kräuterige Frische und ein beeindruckendes Alterungspotenzial.

Confuron-Cotétidot
©Nathalie Knovl, Ginkgomedia, für Vinifera-Mundi
Confuron-Cotétidot

Zusammen mit seinem Bruder Jean-Pierre, der im Dezember 2019 von Michel Bettane zu einem der zehn Masters of Pinot Noir weltweit gekürt wurde – unmittelbar hinter Aubert de Villaine und Lalou Bize-Leroy – führt Yves Confuron die prestigeträchtige Domaine Confuron-Cotétidot mit 13 Hektar Rebfläche in Vosne-Romanée. Beide Brüder wurden 2014 von der renommierten Revue du Vin de France zum „Meilleur vigneron de France“ (Bester Winzer Frankreichs) gekürt. Yves hat zudem von 1996 bis einschliesslich 2022 die unverwechselbaren Weine der Domaine de Courcel in Pommard vinifiziert und damit seit Langem den beneidenswerten Umfang seines Könnens unter Beweis gestellt. Den Ausbau der 2023er und 2024er hat er noch betreut; die Weine lagern derzeit -Elevage- noch im Keller der Domaine Confuron-Cotétidot.

Die Jahrgänge 2023 und 2024 auf der Domaine

2023

Ein warmes, reifes Jahr mit extremer Wetterdynamik (100 mm Regen, gefolgt von 42 °C). Die Lese erfolgte in der zweiten Septemberhälfte, nach allen anderen Winzern der Gemeinde – eine Tradition, die auf Jacky Confuron, den Vater von Yves und Jean-Pierre, zurückgeht. Die Trauben waren hochreif, die Schalen in der Côte de Nuits dünner als in Pommard. Ertrag 30 hl/ha. Yves Confuron: „Im 2023 mag ich meine Weine – aber ich mag meine Weine jedes Jahr!“ (Link) Die Weine sind reichhaltig, aber dank ganzen Trauben elegant und ausgewogen. In Pommard besser (konzentrierter) als in der Côte de Nuits (etwas leichter/dünner), wo sie sich immerhin auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Was den Alkohol angeht, ist es mit 14,5 Volumenprozent Alkohol zu rechnen. Einziger Nachteil ist der relativ niedrige Säuregehalt der Weine.

2024

Der Text kann im vollständigen Bericht (Link) gelesen werden.

Confuron-Cotétidot
©Nathalie Knovl, Ginkgomedia, für Vinifera-Mundi

Warum wurde der Jahrgang 2023 verkostet?

Obwohl ich die Weine von Confuron-Cotétidot seit dem Jahrgang 2015 regelmässig verkoste, habe ich die 2023er bislang noch nicht probiert – sie wurden erst kürzlich (Dezember 2024/Januar 2026) in Vosne-Romanée von Fachjournalisten wie Burgundy-Report und World of Fine Wine verkostet. Die Weine sind inzwischen grösstenteils abgefüllt oder stehen kurz davor; sie sind jetzt zugänglich. Der 2024er hingegen ist wegen der minimalen Mengen praktisch nicht verkostbar. Die Verkostung 2023 dient daher dem direkten Vergleich mit den vorherigen Jahrgängen (insbesondere 2022) und der Frage, wie der markante Hausstil in einem reifen, säurearmen Jahrgang funktioniert.

Vosne-Romanée 1er Cru Les Suchots 2023

Ein grosser Klassiker des Weinguts, der von einer über zwei Hektar grossen Parzelle stammt, deren Besonderheit darin besteht, dass sie im oberen Teil des Climats liegt – jenem Teil, der eigentlich als Grand Cru klassifiziert werden müsste. Und ein Wein, auf den man warten muss. Lange. Derzeit besonders zurückhaltend. Er scheint zwar kommunizieren zu wollen, aber nur, um sich in Wirklichkeit besser zu verbergen. Äusserst präzise, reintönig, tiefgründig, geschliffen, raffiniert – ein Wein von unbestreitbar grosser Kultur. Die reifen Düfte, die man heute wahrnehmen kann, entspringen hauptsächlich den blumigen Komponenten, den dunklen Beeren, den saftigen roten Kirschen und den würzigen Elementen. Grosses Kino in 20 Jahren. Vollmundiger, straffer, anspruchsvoller, durchaus harmonischer, reifer, komplexer Gaumen mit festen, feingliedrigen Tanninen, die Aromen stimmen mit den Düften überein, ein Wein mit einem sehr langen, würzigen Abgang, der sehr viel verspricht und einhalten wird. In diesem Jahrgang bringt die Ganztraubenvergärung eindeutig einiges mehr, zum Beispiel die Frische und das Gefühl der Breite am Gaumen. 18.5/20 (95/100). Wir haben den Jahrgang 2022 mit 18.5-18.75/20 (95-96/100) bewertet.

Vosne-Romanée 1er Cru Les Suchots 2024

Im Rahmen der Grands Jours de Bourgogne im März 2026 verkostet. Der grosse Spagat zwischen einem Wein, der noch mindestens zwei Jahre im Keller der Domaine reifen wird, bevor er in Flaschen abgefüllt wird, und einer gewissen provokativen Note eines Winzers von unbestreitbarem Genie. Doch schon jetzt muss man anerkennen, dass dieser Jahrgang durch seine Tiefe und seine beeindruckende Reintönigkeit überraschen wird. Seiner selbst treu in Eleganz und Präzision, ist sein Geschmack perfekt ausgewogen, auch wenn die Kraft noch Zeit braucht, um sich zu entfalten. Wieder einmal steht ein grosser Suchots in Aussicht, und Yves Confuron wird erneut unsere intellektuelle Neugier wecken.

Vosne-Romanée 1er Cru Les Suchots 2005

Ein selbstverständlich sehr junges Bouquet fällt unmittelbar auf. Rassig, komplex, tiefsinnig, reif, reintönig, perfekt gezeichnet, so zeigt es sich auch. Das Glas muss geschwenkt werden, bis die Düfte sehr gut zum Ausdruck kommen. Dunkle Kirschen, schwarze Johannisbeeren, erdige Komponenten, Eisen, Gewürze, Sattelleder, Rosen und ein Hauch Veilchen, ein Kaleidoskop köstlicher Düfte entfaltet sich und verspricht sehr viel für die nächsten 15 Jahre. Man könnte sich noch lange mit der Nase beschäftigen und bestimmt weitere Elemente erkennen. Wie unter anderem die Noten von Trockenfleisch, die nicht sofort zum Vorschein gekommen sind. Vollmundiger, eleganter, konzentrierter, aber doch nicht druckvoller, maskuliner Gaumen, die Säure ist perfekt eingebunden, die Tannine lassen sich zwar wahrnehmen, werden sich aber weiter besänftigen, sehr gute, mineralische Struktur mit allen Komponenten am richtigen Platz und last but not least ein langanhaltender Abgang. 18.25+/20 (94+/100).

Gevrey-Chambertin 1er Cru Craipillot 1996

Eine wunderschöne Flasche, die nicht spezifisch für unsere Verkostung entkorkt wurde und die es fast geschafft hätte, mich mit diesem Climat zu versöhnen. Es ist ansonsten eines, das mich wie Véroilles in Chambolle-Musigny nie wirklich begeistert hat. Wir sind in Bezug auf Konsistenz und Tiefe, ja sogar Komplexität weit von den Tenören der Appellation entfernt, ohne dass diese «Saint-Jacques» heissen müssen.

Ein komplexes, wunderbar gereiftes Bouquet, das die Präzision des Winzers unter Beweis stellt. Obwohl der Jahrgang 1996 massgeblich von seiner Säure geprägt war – Clive Coates sagte bekanntlich, die Burgunderweine aus diesem Jahr würden uns alle überdauern, was unsere undokumentierte Verkostung vor einigen Jahren allerdings nicht mehr vollumfänglich bestätigen konnte –, beeindruckt diese Flasche wahrhaft. Sie präsentiert sich in ihrer ganzen Pracht und beweist, dass auch ein Craipillot altern kann.

Reintönig, vielschichtig, harmonisch, tiefsinnig, wunderschön geschliffen, das sind einige der Trumpfkarten dieser Flasche. Und wir wetten, dass die ganze Craipillot-Produktion 1996 auf diesem Niveau steht. Köstliche Düfte nach Waldbeeren, Sauerkirschen, Kräutern, darunter Rosmarin, sowie Erdbeeren, auch zerquetscht, strömen aus dem Glas, während Ansätze von Fruchtlikör das Bild abrunden. Das Ganze ist im strukturierten, tiefen und frischen Gaumen wiederzuerkennen und bietet sehr viel Genuss, wird ausserdem von weiteren Aromen wie Lakritz, Schwarztee, mineralischen Komponenten und etwas Unterholz begleitet. Eine Leistung. 17.75/20 (92/100).

Confuron-Cotétidot

Bourgogne Montrecul 2022

Eine schöne Entdeckung von 60 Jahre alten Rebstöcken, die sich zweifellos an erfahrene Weinliebhaber richtet oder an diejenigen, die gerne neue Wege beschreiten. Dieser Wein zeichnet sich vor allem durch die unverwechselbare Handschrift der Domaine aus und weist alle deren charakteristischer Merkmale auf. Die Nase ist klar, sehr präzise und harmonisch, die roten Beeren sind köstlich und weisen eine schöne Reife auf. Kräuter runden das Bild ab. Am Gaumen ist der Wein geschmeidig und üppig und wird neugierige Liebhaber begeistern. Zugänglich und mit der typischen Confuron-Cotétidot Fülle erweist sich die Struktur zwar als filigran, aber auch recht edel, die Tannine sind rassig und der kräftige Abgang offenbart Gerbstoffe. 17.25-17.5/20 (90-91/100).

Charmes-Chambertin (Grand Cru) 2023

Obwohl dieser frische Charmes im aktuellen Stadium ziemlich monolithisch wirkt, zeigt er sich trotzdem üppig, tiefgründig, komplex, geschliffen und ausgefeilt. Das Bouquet vereint ausdrucksvolle und durchaus reife Düfte nach blumigen Komponenten und dunklen Früchten, die viel Zeit beanspruchen werden, bevor sie sich gut erkennen lassen. Vollmundiger, saftiger, wiederum komplexer und konzentrierter Gaumen, er bietet viel Raffinement und ein unwiderstehliches Profil mit Rasse, weichen, dichten und süsslichen Tanninen sowie einem langanhaltenden Abgang. Er verspricht extrem viel für in mindestens 25 Jahren und könnte sich zu einem Superstar in seiner Appellation in diesem Jahrgang entwickeln. 18.25-18.75/20 (94-96/100).

Vosne-Romanée 1er Cru Les Suchots 2021

Die Lese erfolgte Anfang Oktober 2021.

Betörendes, tiefsinniges, reintöniges, durchaus präzises, geschliffenes, frisches Bouquet, das raffinierte Düfte nach eingelegten Pflaumen, dunklen Beeren, Veilchen und weiteren floralen Elementen, Schwarztee und etwas Mineralischem bietet. Eine schlechthin unwiderstehliche Nase, die auf keinen Fall denken lässt, dass der Jahrgang nicht einfach gewesen sei. Vollmundiger, kräftiger, tiefer, straffer, dabei geschmeidiger und raffinierter, wiederum frischer Gaumen, verschwenderisch, lasziv und harmonisch, es fehlt diesem Jahrgang eigentlich an gar nichts, um in jedem Keller zu liegen und erst in frühestens in 15 Jahren genossen zu werden. Langanhaltender, wiederum kräftiger Abgang. Gegenüber unserer Verkostung en Primeur kommt die Mineralität besser zum Vorschein und ergänzt somit das ganze beeindruckende Bild. Wir haben diesen Wein ab Fass mit 18.25-18.5/20 (94-95/100) bewertet, neu mit 18.25/20 (94/100).

Vosne-Romanée 1er Cru Les Suchots 2017

Als ich im November 2018 die Weine des Jahrgangs 2017 verkostete, beklagte sich Yves Confuron darüber, dass sie nur aus Frucht bestünden. Auch wenn er damit ganz und gar nicht unzufrieden war. In den letzten acht Jahren hat sich dieser Wein selbstverständlich weiterentwickelt und lässt nun schrittweise sein wahres Potenzial erkennen. Das maskuline, tiefsinnige, komplexe, raffinierte und ausserordentlich reintönige und präzise Bouquet offenbart köstliche und sinnliche, reife und frische Düfte nach roten und dunklen Beeren, Sauerkirschen, etwas Blutorange, Kräutern, einem Hauch animalischer Elemente und selbstverständlich floralen Komponenten, die nun nicht mehr im Vordergrund stehen. Eine feine Würze rundet das Bild ab. Man erkennt, wie vor acht Jahren, die Unterschrift der beiden Brüder, das Potenzial beeindruckt nach wie vor. Vollmundiger, saftiger, strukturierter, frischer Gaumen, dichte Tannine, die sich allerdings noch weiter besänftigen müssen. Die Struktur ist straff, kompromisslos, die Säure unterstützt das Ganze, der Abgang stellt die Statur dieses Erzeugnisses ein letztes Mal unter Beweis und wir sind weit von dem entfernt, was sich so viele Liebhaber unter dem Jahrgang in der Côte de Nuits vorstellen. Unbedingt warten. 18+/20 (93+/100).




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