Avignon gilt nicht nur als Hauptstadt und Wiege der Rhône-Weine, sondern auch als Stadt der Päpste. Im 14. und 15. Jahrhundert hatten hier neun Päpste ihren Sitz. Mit dieser Zeit verbunden sind auch die Gemeinden Châteauneuf-du-Pape und Apt. Drei Tage in Südfrankreich boten mir die Gelegenheit einer vinophilen Spurensuche.
Avignon als Reiseziel
Kultur- und geschichtsinteressierten Besuchern hat die Stadt Avignon (Link, Link) ebenso viel zu bieten wie genussorientierten und weinaffinen Reisenden.
Der imposante Papstpalast ist eines der grössten gotischen Bauwerke Europas und gliedert sich in den Alten Palast (erbaut unter Benedikt XII.) und den Neuen Palast. Gleich daneben liegt die romanische Kathedrale Notre-Dame des Doms. Auf dem Felsvorsprung Rocher des Doms oberhalb des Palasts liegt der Park Jardin des Doms (Link), der als englischer Garten angelegt ist und abgesehen von den Grünanlagen einen herrlichen Ausblick bietet.
Vom Papstpalast sind es nur wenige hundert Meter zur Bogenbrücke Saint-Bénézet aus dem 14. Jahrhundert. Seit 1660 überspannt die aus dem Kinderlied bekannte „Pont d’Avignon“ (Link) allerdings nur noch einen Teil der Rhône, nachdem Kriege und Hochwasser sie stark beschädigt haben. Die Altstadt von Avignon ist von einer über vier Kilometer langen, gut erhaltenen Stadtmauer umgeben, die ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammt. Hier lassen sich mittelalterliche Gassen und Plätze entdecken, und die Rue des Teinturiers (Färberstrasse) lädt mit historischen Wasserrädern (Link) und mächtigen Platanen zum Flanieren ein.
In den städtischen Museen von Avignon ist der Eintritt frei. Eine besondere Attraktion dabei ist das Jugendstil-Badehaus Bains Pommer (Link), das 1890 eröffnete und noch bis 1972 in Betrieb war.
Geniessen in Avignon
Im Spätmittelalter, zur Zeit der Päpste, gab es eine strenge Hierarchie sowohl für Menschen als auch für Lebensmittel. An Tafeln bei Hofe durften die Gäste nur von dem essen, was vor ihnen auf dem Tisch stand. Je näher jemand am Gastgeber (dem Papst oder König) sass, desto höher gestellt war er in der sozialen Rangfolge und desto hochwertiger waren die Speisen, die er bekam. Für die Lebensmittel galt, dass sie umso mehr für reiche und hochgestellte Personen vorgesehen waren, je näher sie sich am Himmel (und damit an Gott) befanden. Geflügel war deshalb beispielsweise besonders kostbar.
Heute ist das Geniessen in Avignon deutlich unkomplizierter und unbeschwerter. Das „Grand Café Barretta“ (Link), 12–14 Place Saint Didier, neben der gleichnamigen Kirche) bietet traditionelle französische Küche und eine gute Weinauswahl – sei es im geräumigen Restaurant auf drei Etagen oder auf der grossen, von Bäumen beschatteten Terrasse auf dem Platz.
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Weinbaugebiet Châteauneuf-du-Pape
Der Weinbau in Châteauneuf-du-Pape (Link) hat eine lange Tradition. Die Appellation zählt nicht nur zu den besten an der Rhône, sondern auch international. Johannes XXII., der Erbauer der päpstlichen Sommerresidenz, liess auch Weinberge rund um den Ort anlegen. Von 20 Hektar im 14. Jahrhundert stieg die Rebfläche im 18. Jahrhundert auf 650 Hektar und im 20. Jahrhundert auf 3.200 Hektar. Heute umfasst die Appellation Châteauneuf-du-Pape 3.150 Hektar (Link), die sich ausser dem Ort selbst auch über die vier benachbarten Gemeinden Bédarrides, Courthézon, Orange und Sorgues verteilen.
Die Besonderheit des Terroirs von Châteauneuf-du-Pape erkannten zuerst Weinproduzenten aus Bordeaux und Burgund. Sie stellten fest, dass auch in schlechten Jahrgängen die Weine aus Châteauneuf besser waren als die anderer Regionen, und nutzen sie zum Verschneiden, um ihre eigenen Gewächse aufzuwerten. Verantwortlich für die besonders hohe Qualität sind massgeblich die Böden. Sie bestehen neben Kalk- und Sandstein auch aus Quarzit in Form von Galets roulés. Diese abgerundeten Kieselsteine speichern tagsüber die Wärme der Sonne und geben sie nachts wieder ab, was die Traubenreife begünstigt. Diese Bodenart kommt vor allem in Châteauneuf-du-Pape vor.
Das Klima in Châteauneuf-du-Pape ist mediterran mit heissen, trockenen Sommern. Im Jahresdurchschnitt gibt es 2.800 Sonnenstunden und 620 Millimeter Niederschlag. Ein wichtiger klimatischer Faktor ist der Mistral: Der kalte, trockene Fallwind aus dem Norden weht an 130 Tagen im Jahr und kann sehr stark sein. Er sorgt auch nach heftigen Regenfällen dafür, dass die Trauben schnell wieder trocknen und sich keine Fäulnis bilden kann. Der Klimawandel stellt die Appellation Châteauneuf-du-Pape vor Herausforderungen, denn im Sommer steigen die Temperaturen immer höher, so dass die Trauben immer mehr Zucker ausbilden und die Weine immer alkoholreicher werden. Innerhalb von zehn Jahren ist der übliche Alkoholgehalt bei Weissweinen auf 15 Volumenprozent gestiegen, was zulasten der Finesse geht. Rotweine kommen inzwischen sogar auf über 16 Volumenprozent.
Ein weiterer Schlüssel zur hohen Weinqualität in Châteauneuf-du-Pape sind die besonders geringen Ertragsmengen. Der zulässige Höchstertrag liegt bei 35 Hektolitern pro Hektar, der durchschnittliche Ertrag beträgt jedoch sogar nur 30 Hektoliter pro Hektar. Mindestens zwei Prozent der geernteten Trauben mit der geringsten Qualität müssen aussortiert werden.
Château Maucoil – Bewahrer des Erbes
Am Schloss von Châteauneuf-du-Pape – nach dem Aufstieg links hinter den Mauern der nördlichen Gebäude – befindet sich ein historischer Weinberg, in dem alle in der Appellation zugelassenen Rebsorten kultiviert werden. Gestaltet und verwaltet wird er vom Weingut Château Maucoil (Link). Während man im Ort auf jede Menge Weingüter mit grossen Namen und entsprechend viele Besucher trifft, ist Château Maucoil ein wahres Refugium. Das Anwesen liegt in ländlicher Umgebung so weit ausserhalb, dass seine Adresse (Chemin de Maucoil) schon zur Stadt Orange gehört.
Weine von Château de Mille
Die gesamten Ländereien von Château de Mille erstrecken sich über mehr als 100 Hektar. 25 Hektar sind mit Reben bestockt, 45 Hektar Weinberge wären möglich. Die Böden bestehen aus Kalkstein, Quarzlehm sowie einem Gemisch aus Lehm und Sand. Im mediterranen, sommerlich-heissen Klima profitieren die Trauben im Luberon von kalten Luftströmungen aus den Alpen und grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Vor allem höher gelegene und/oder nach Norden ausgerichtete Weinberge haben im Klimawandel Vorteile. Nach Niederschlägen trocknet auch hier der Mistral die Trauben schnell ab.







