2021 war ein Jahr der Extremwerte: Fröste, die 70 Prozent der Ernte vernichteten, Regen, der die Reben prüfte, und ein kühler Sommer, der die Winzer zwang, alles zu geben.
- Anfangs hiess es: „Unklassisch. Grün. Zu teuer.“
- Heute, 2025, sagt der Markt: „Klassisch. Gesucht. Und endlich bereit.“
Dieser Bericht zeigt, warum 2021 nicht nur überlebt hat – sondern zu einem der interessantesten Jahrgänge der letzten Dekade geworden ist.
Für Geniesser. Für Sammler. Für die, die Burgund verstehen wollen.
Willkommen zur Wiederentdeckung!
Vom kontroversen Jahrgang…
Dieser war im Burgund (und ist teilweise noch) hochgradig kontrovers: Ein Jahr der Extreme, geprägt von schweren Frösten im April (bis zu 70 Prozent Ertragsverluste in manchen Lagen), anhaltendem Regen, Mehltau-Druck und kühler Reifezeit, was zu kleinen Mengen (ca. 30 Prozent weniger als 2020) und schwankender Qualität führte. Anfangs 2022 dominierten die Kritiker: „Unklassisch, unreif, grün“ – besonders Rotweine wirkten tanninarm und säurebetont, Weissweine frisch, aber manchmal mager. Der Markt litt: Die Preise stiegen durch die Knappheit, doch die Verkäufe stockten, da die Käufer die „sonnigen“ Vorgänger (2018–2020) vermissten. Erwan Faiveley prophezeite 2023 sogar ein „Burgund-Bashing“ wegen hoher Preise und erratischer Qualität.
… zum aktiv gesuchten Jahrgang
Doch hat sich das Bild seit 2024/2025 dramatisch gewendet: Von der anfänglichen Skepsis wird der Jahrgang nun als „klassisch“ und „gesucht“ rehabilitiert, ein Rückgriff auf die Eleganz vergangener Jahrzehnte (z. B. 1996 oder 2008), mit hohem Alterungspotenzial und Terroir-Transparenz. Experten wie Jasper Morris (Inside Burgundy) und Sarah Marsh MW (World of Fine Wine) loben in 2025-Reports die Entwicklung: Nach zwei bis drei Jahren Flaschenreife entfalten sich die Weine – Rote werden seidig und nuanciert (nicht „hart“, sondern „klassisch“), Weisse strahlen mit Säure und Mineralik. Tim Atkin MW (2025 Special Report) betont: „Ein Jahrgang, den Liebhaber schätzen, andere ablehnen – aber er ist zurück zur Klassik.“ Vinous‘ Burgfest-Tasting (Oktober 2025) mit über 400 Weinen bestätigt: „Unter den Top-Produzenten ein Triumph der Finesse.“
Der Aufstieg – ein Markt-Favorit im Wandel
Der Markt spiegelt diesen Wandel wider: Der Liv-ex Burgundy 150-Index, der die 150 wertvollsten Burgunder dokumentiert, zeigte 2021 ein Hoch von 7,14 im Bid-Offer-Verhältnis (Bids siebenmal höher als Offers), was die anfängliche Euphorie trotz der Knappheit widerspiegelt. Bis 2025 stabilisierten sich Preise, doch gesuchte Marken (z. B. von DRC oder Comte de Vogüé) stiegen um 10 bis 20 Prozent, getrieben durch Auktionsrekorde und Investoren-Nachfrage. Der Wein-Investor Cult Wines hebt in seinem Juli 2025 herausgegebenen „Collector’s Guide to White Burgundy“ (Link) hervor, dass 2021er Weissweine – trotz anfänglicher Kritik – durch hohe Säure und Frische zu „lebhaften, lagerfähigen“ Schätzen werden, mit starkem Preisanstieg seit 2022. Ähnlich notiert WineInvestment.com in seinen Berichten zu En Primeur (Link): „2021 bietet aufregendes Investment-Potenzial“, da die Knappheit (50 Prozent weniger Volumen) und die Reife zu einem „Rückgriff auf die Klassik“ führen – vergleichbar mit 1996 oder 2008.
Heute, 2025, ist 2021 kein Nischenthema mehr. Der Marktanteil des Burgunds bei Liv-ex liegt bei 19,3 Prozent im Jahresverlauf, mit den 2021ern als „attraktiven Gelegenheiten“ für Käufer, die auf Qualität statt Hype setzen. Für Investoren: Selektiv zugreifen – bei starken Lagen und Domainen lohnt sich der Einstieg, da sich die Preise stabilisieren und die Nachfrage wächst. 2021 lehrt: Geduld zahlt sich aus, und Burgund feiert seine wahre Vielfalt.
Die Weine
Die Erzeugnisse, die auf den nächsten Seiten bewertet werden, konnten alle im Verlauf des Jahres 2025 verkostet oder wieder verkostet werden.
Amiot et Fils, Morey Saint-Denis 1er Cru Les Blanchards 2021
Ein gelungener Übergang zwischen der ersten Verkostung im März 2024 und der aktuellen Verkostung im Rahmen der Arrivage-Veranstaltung von VINSmotions.
Intensive und köstliche Frucht, schwarze Kirschen, Brombeeren, Erdbeeren sowie im Hintergrund weitere rote Beeren, allerdings in geringerer Menge, das Ganze auf einer erdigen und subtil würzigen Grundlage. Saftiger, mittelgewichtiger Gaumen, sehr gute Konzentration, die andere Perspektiven auf den Jahrgang bietet als noch vor drei Jahren. Harmonisch, frisch, mit einer durchaus anständigen Struktur ausgestattet. Eine gute Gelegenheit, um dieses Climat kennenzulernen. 17.75/20 (92/100). Dürfte sich bis in über zehn Jahren in einer optimalen Trinkreife befinden.
Arlaud, Morey-Saint-Denis 1er Cru Les Ruchots 2021
Ausdrucksvolle, elegante, harmonische, frische, reintönige Nase mit sinnlichen, finessenreichen Düften nach kleinen, reifen schwarzen Beeren, darunter Johannisbeeren, aber auch roten Früchten sowie Waldboden, würzigen Elementen, etwas Tabak und einem Hauch von Wild, der das Bouquet noch komplexer macht. Diese Komponente lässt sich allerdings am Gaumen nicht wahrnehmen. Dieser zeigt eine sehr gute Fülle und Tiefe, man denkt nicht unbedingt an 2021, wobei das Ganze doch eher zart wirkt. Die Säure und die filigranen Tannine sind gut ineinander verwoben und das Ganze verabschiedet sich geschmeidig, mineralisch und mit einem langanhaltenden, blumigen (an Rosen erinnernden) Abgang. 17.75-18/20 (93/100). In den nächsten 12 bis 15 Jahren geniessen.
Clos de Tart (Grand Cru) 2021, Monopollage
Expressive und doch zurückhaltende, frische, reintönige und präzise, ausserordentlich delikate und zugleich tiefsinnige Nase mit betörenden und komplexen Düften nach roten Früchten, welken Blumen, Gewürzen und erdigen Komponenten, eine Nase, die sich weiterentwickeln wird. Vollmundiger, seidiger, ausgefeilter, rassiger Gaumen mit viel Fleisch am nochen, filigranen Tanninen, einem salzigen, erfrischenden Gerüst, einer grossartigen Komplexität, einer perfekt eingebundenen Säure und einem sehr langanhaltenden Abgang. Ein klarer Erfolg, die Erzeugnisse der Domaine sind seit Langem nicht mehr jahrgangsabhängig. 18.25-18.75/20 (94-96/100).
Lucien le Moine, Meursault 1 er Cru Les Gouttes d’Or 2021
Dieser Wein ist ein Paradebeispiel für die Rehabilitierung des Jahrgangs: Knappheit (Frostschäden) und kühle Reifezeit führten zu einem Wein mit hoher Säure und Terroir-Transparenz, der trotz anfänglicher Skepsis („zu mager“) nach zwei bis drei Jahren Reife zu einem Klassiker reift.
Betörendes, intensives, tiefsinniges, komplexes, gleichwohl Zeit forderndes, gründlegend mineralisches Bouquet mit harmonischen, reintönigen und durchaus frischen Düften nach Zitrusfrüchten, Akazien und Honigblüten, etwas Nüssen und Feuerstein. Eine Nase, die nicht gleichgültig lässt, sondern verführt und die Grösse des Jahrgangs in dieser Farbe unter Beweis stellt. Vollmundiger, konzentrierter, energischer, saftiger Gaumen mit einer breiten, cremigen Struktur. Die präsente Säure ist perfekt eingebunden und der Abgang sehr lang. Ein Meisterwerk. 18.5/20 (95/100).
Georges Roumier, Morey-Saint-Denis 1er Cru Clos de la Bussière 2021, Monopollage
Frisches, ausdrucksstarkes, tiefsinniges, elegantes, reintöniges Bouquet, das die Eigenschaften des Jahrgangs widerspiegelt, ohne jedoch an Qualität einzubüssen. Aus dem Glas strömen delikate und durchaus harmonische Düfte nach schwarzen Kirschen, Pflaumen, Erdbeeren und Gewürzen. Eine unwiderstehliche Nase, die allerdings nicht das übliche Potenzial aufweist. Das Holz lässt sich subtil wahrnehmen, ist ausserdem wunderschön eingebunden. Vollmundiger, komplexer, weicher, geschmeidiger, wiederum reintöniger Gaumen, sehr lang und ausgefeilt, frisch und doch mit einem sehr guten Polster ausgestattet. 18/20 (93/100). Dürfte sich innerhalb der nächsten zwölf Jahre sehr schön geniessen lassen.




