Michael Moosbrugger feiert Jubiläum auf Gobelsburg

„Wie kann man ein 20-Jahr-Jubiläum feiern, wenn das Schloss Gobelsburg auf mehr als 8 Jahrhunderte Geschichte zurückblickt?“, fragte sich Michael Moosbrugger in der ihm eigenen Bescheidenheit. Allerdings hat Moosbrugger – auch wenn er leise und zurückhaltend spricht – in diesen zwei Jahrzehnten Unglaubliches bewegt.

Das 1171 von den Zwettler Zisterziensern gegründete Weingut wurde 1996 von Michael und Eva Moosbrugger (gemeinsam mit Edwige und Willi Bründlmayer) gepachtet. Seither hat es sich in rasantem Tempo an die Spitze des Österreichischen Weinbaues entwickelt, ist heute anerkannter weise eines der führenden Weingüter des Landes, Gobelsburger Weine werden bundesweit in jedem anspruchsvollen Restaurant serviert und darüber hinaus in 30 Länder der Welt exportiert.

Michael Moosbrugger und Gattin Eva Moosbrugger beim Begrüßen der Gäste (c) Robert Herbst

Bei allem Erfolg ist Moosbrugger aber immer respektvoll gegenüber der Geschichte von Gobelsburg geblieben, und so organisierte er zu seinem Jubiläum ein Symposium zur „Historie der Weinbereitung“. Eva und Michael Moosbrugger luden Experten und Vortragende aus ganz Europa ein, um über Traditionen, Erkenntnisse, Entwicklungen und Verände-rungen im Weinmachen mit ebenso internationalen Gästen zu diskutieren.

In seiner Eröffnungsrede zog David Schildknecht (Vinous, USA) Vergleiche zwischen der Musikinterpretation an historischen Instrumenten und dem neuentdeckten Interesse an archaischen Vinifizierungsmethoden, während Giorgi Dakishvili vom georgischen Weingut Teleda darauf verwies, dass der Ausbau in Amphoren heute genau so abläuft wie vor 8.000 Jahren. Der deutsche Historiker Dr. Daniel Deckers berichtete über Bestsellerweine und Moden im 19. Jahrhundert, Dr. Ferdinand Regner (HBLA Klosterneuburg) präsentierte dagegen einen neuen alten Weinstil: den Gemischten Satz. István Szepsy erläuterte, warum sich Tokaj in jüngerer Zeit vollständig verändert, und Ähnliches erzählten Paul Day über die Stilistik der Madeira Weine und Álvaro Girón über Sherries. Berührend und mitreißend schilderte Maria José Lopez de Heredia die Geschichte des Familienweingutes in der Rioja. Und nicht zuletzt war es der Vortrag von Michael Moosbrugger selbst, der in einer Degustation experimenteller Weine bewies, dass die Stilistik des 19. Jahrhunderts eine ganz andere – durchaus anspruchsvolle – war, als heute. Die Weine waren damals weniger auf Fruchtigkeit und Primäraromatik, dafür aber mehr auf Balance und Textur ausgelegt. Ein Vorbild für die neuen Avantgardeweine?

Den Abschluss des zweitägigen Symposiums bildete ein prächtiges Fest, das sich über alle Räumlichkeiten des Schloss Gobelsburg erstreckte, und bei dem das Who-is-Who der Weinwelt anwesend war: zahlreiche Winzerkollegen aus dem In- und Ausland, und prominente Fans von Schloss Gobelsburg, wie etwa Staatsoperndirektor Dominique Meyer, die neue Opernball-Organisatorin Maria Großbauer, EM-Moderator Rainer Pariasek, die angelsächsischen Weinkritiker Anne Krebiehl MW (Wine Enthusiast), Stephen Brook (Fine Wine), Stephan Reinhardt (Wine Advocate), Stephen Spurrier (Decanter), sowie zahlreiche Importeure, Weinhändler, Gastronomen, Sommeliers aus aller Welt.

An der Transkription der Vorträge (deutsch / englisch) wird derzeit gearbeitet. Das Büchlein zur „Geschichte der Weinbereitung“ kann bereits jetzt vorbestellt werden unter 20years@gobelsburg.at

Zurück

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.