Jubiläum am Fuß der Kordillere

Der Jahrgang 2016 ist ein wichtiger für François Lurton, dessen Leben eng mit dem südamerikanischen Weinbau verbunden ist.
Vor 21 Jahren kamen Jacques und François Lurton ins Valle de Uco in Mendoza. Heute ist das Tal eine der prestigereichsten Appellationen Argentiniens, damals war es bloß eine Wüste. Nur zwei Jahre später, 1997, erwarb das Brüderpaar die Hacienda Araucano am Hang des Colchagua Tales in Chile.

Valle de Uco, Argentinien

Valle de Uco, Argentinien Fotocredit: François Lurton

Zwei Jahrzehnte zogen seither ins Land. Kurz vor Beginn seiner 20. Weinernte öffnete François Lurton Ende Februar die Tore seiner beiden Bodegas weit, um gemeinsam mit einer Hundertschaft von Gästen – Geschäftspartner und Mitstreiter – den Erfolg der beiden Projekte zu feiern.
Die Bodega Piedra Negra und die Hacienda Araucano stehen für den ungewöhnlichen Pioniergeist der Lurton Brüder. Zu Beginn wurden sie – angesichts der riesigen Investitionssummen für die beiden Projekte – von den lokalen Produzenten als verrückt erklärt.
Heute beweisen sowohl die Qualität der Weine als auch das Image der Regionen, dass die Brüder damals mit ihren Plänen schon richtig lagen. Die argentinische Bodega Piedra Negra ist die Wiege des Chacayes, einer der gesuchtesten Weine des Valle de Uco: ein Malbec, der aus einer Anlage mit extrem hoher Rebdichte stammt.
Dieser biologisch bewirtschaftete Wein-berg ist aber auch für andere Sorten berühmt: etwa für den Pinot Gris (der erste in Argentinien), den Tokai Friulano und den Cabernet Sauvignon. Der Keller, den François Lurton selbst entworfen hat, liegt in der Mitte der Weinberge – wie bei einem Bordeaux Château – und bietet alle Möglichkeiten, um herkunftstypische Weine zu vinifizieren.
Die Hacienda Araucano in Chile liegt im Dorf Lolol und profitiert von einem einzigartigen Mikroklima: nur 40 Kilometer von der Küste entfernt, liegt sie im Einfluss sowohl der hohen Temperaturen des Colchagua Tales als auch der Frische der Meeresnähe. Das bedeutet enorme Temperaturschwankungen und sehr viel Wind.
Und das alles auf einem sehr kargen Kieselboden, der aus Kalk und Schiefer besteht. Von Beginn an wurde das Projekt biologisch bewirtschaftet und mittlerweile sogar biodynamisch, sodass diese Weinberge ihre unglaublich komplexe Einzigartigkeit ausspielen können.

Sein 20jähriges Jubiläum nimmt der innovative und leidenschaftliche François Lurton zum Anlass, um eindrücklich zu zeigen, dass man in Argentinien und in Chile mit viel Respekt vor der Natur und sensiblen Herstellungsmethoden große Weine vinifizieren kann.

FRANÇOIS LURTON, Winzer aus Erbe und Leidenschaft
François Lurton repräsentiert die fünfte Generation der Winzerdynastie, die in Bordeaux seit 1897 Wein produziert. Nachdem er sowohl in den Domänen der Familie als auch außerhalb Erfahrungen gesammelt hatte, gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Jacques ein Wein-Consulting-Unternehmen, das die beiden in die verschiedensten und spannendsten Weinbauregionen der Welt bringen sollte. Von Moldawien, über Spanien, Portugal und Italien bis nach Australien und nach Mendoza wurden die beiden gerufen, um Weingüter zu beraten.
Schon bald begannen sie auch eigene Weine in fünf Ländern zu entwickeln: zunächst in Argentinien, später auch in Spanien, in Chile, Australien und Portugal.
2007 trennen sich ihre Wege. François wurde der Hauptaktionär der Gesellschaft, die seither als François Lurton SA firmiert, während Jacques die Projekte in Spanien alleine weiterführte.
Nun veränderte François Schritt für Schritt seine Art Wein zu machen, er stellte alle Weinberge auf biologischen Weinbau um und baute sein Portfolio neu auf. Er trennte sich von den Weinbergen in Portugal, um sich besser auf die Besitzungen in Südamerika konzentrieren zu können.
Mit Dynamik und Kreativität verfolgt François Lurton sein einziges Ziel: auf jedem Weingut einen Wein zu produzieren, der in perfekter Art seine Herkunft ausdrückt.

piedranegra

Piedra Negra Gran Malbec Fotocredit: François Lurton

BODEGA PIEDRA NEGRA, Argentinien
1992 starteten François und sein Bruder Jacques ihr Unternehmen in Argentinien. Nach langem Suchen fanden sie im Valle de Uco ein Terroir, das ihren Vorstellungen entsprach. Das Tal liegt am Fuß der Anden, in majestätischer Schönheit. Zwar war das Stück Land eine Halbwüste, doch den Brüdern stach sofort das Weinbau-Potential ins Auge. Jungfräuliche Böden in hoher Lage, kontinentales Klima und ausreichend Schmelzwasser der Anden im Unterboden. Sie analysierten die Böden und baten auch ihren Vater um seine Einschätzung des Vorhabens.

Wie waghalsige Pioniere stürzten sie sich in das Abenteuer – und erwarben 1996 insgesamt 200 Hektar dieses „verheißenen Landes.“ Sie entwarfen einen umfangreichen Investitionsplan – damals noch eine Seltenheit im argentinischen Weinbau – und errichteten eine moderne Kellerei und Büros in ca. einer Stunde Entfernung von Mendoza.

Der Boden wurde zum allerersten Mal kultiviert – und die Brüder legten großen Wert darauf, dass er seine natürlichen Bedingungen behielt: der pH Wert war ideal, keinerlei chemische Korrektur war notwendig. Die Nachttemperaturen waren dank der Nähe der Anden sehr niedrig, sodass die Zuckerproduktion der Trauben nur langsam bis zur vollständigen phenolischen Reife voranschritt. Die Erträge blieben von Natur aus sehr gering, die Qualität war umwerfend.

Eine hohe Pflanzdichte (pro Hektar 6000 Reben und mehr) und ein kurzer Schnitt unterstützten die kleinen Erträge. Eine leichte, aber sehr zurückhaltende Bewässerung war in diesen Bedingungen erforderlich, um Trockenheitsstress zu vermeiden und vor allem, um eine gute Verwurzelung der Rebpflanzen zu ermöglichen.

VALLE DE UCO
Das Klima im Valle de Uco ist kontinental: heiß und trocken im Sommer, kalt und feucht im Winter. Die Jahresniederschläge überschreiten kaum in einem Jahr die 200 mm Marke. Die Schwankungen der Temperatur sind je nach Jahreszeit beträchtlich, mit intensiver Sonnenstrahlung untertags. Sobald aber die Nacht einbricht, fällt das Thermometer aufgrund der Höhenlage von rund 1100 m tief nach unten.
Eine große Gefahr stellt der Hagelschlag dar. Es ist daher notwendig, sämtliche Weinberge mit Hagelnetzen zu schützen. Heute ist das Valle de Uco zweifellos die Region, von der man „in Argentinien, ja sogar in ganz Südamerika am meisten spricht“, so Tim Atkin im Decanter Magazin. Durch seine Lage am Fuß der Anden wirkt der Boden nahezu schwarz im Kontrast zu den schneebedeckten, weißglänzenden Berggipfeln. So erklärt sich der Name „Piedra Negra“, den man der Region auch gegeben hat, und die Lurton daher auch für sein Weingut gewählt hat.

Gran Araucano

Gran Araucano, Cabernet Sauvignon Fotocredit: François Lurton

HACIENDA ARAUCANO, Chile
„Wäre ich eine Rebe, so würde ich mir wünschen, in Chile zu wachsen.“, sagt François Lurton immer wieder.
Das langgezogene Land entlang der Anden-Kordillere ist ein wahres Paradies für den Weinbau, denn das Klima ist sehr stabil, sodass nahezu keine Krankheiten den Rebberg bedrohen. Das ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass sich François Lurton für biodynamischen Weinbau entschieden hat.
François und Jacques Lurton haben dieses wunderbare Stück Land entdeckt, als sie das Weingut San Pedro berieten. Die ersten Flaschen Araucano (nach dem inidigenen Volk Chiles benannt) stammen aus dem Jahrgang 1997.
Im Jahr 2000 erwarb François 200 Hektar Fläche im Dorf Lolol im Colchagua Tal. Zwar existierte an diesem Ort bis dahin noch nie ein Weinberg, aber die Wahl ist alles andere als bloßer Zufall. Der Einfluss des nahen Pazifiks mäßigt die Hitze des Tales. Die Schwankungsbreite der Temperatur zwischen Tag und Nacht ermöglicht es, eine außergewöhnliche Reife in den Trauben zu erreichen. Und nicht zuletzt bietet die Lage eine Reihe von sehr unterschiedlichen Mikroklimazonen, die schließlich in einer Assemblage zu einer ganz erstaunlichen Komplexität führen.

Auch heute noch führt François Lurton unterschiedlichste Versuche durch, etwa Pflanzungen in hohen Lagen mit Sorten, die vor allem Frische ausdrücken, wie etwa Sauvignon oder Pinot Noir. Die wunderbaren natürlichen Bedingungen des Tales haben es möglich gemacht, die gesamte Domäne auf Biodynamie umzustellen.
Im Bestreben, möglichst natürliche Weine herzustellen, vinifizierte François 2012 seine erste schwefelfreie Carmenere-Cuvée

Um den Energieverbrauch zu reduzieren und die Wasserversorgung der Weinberge zu sichern, konstruierte Lurton kürzlich ein 45.000m3 großes Auffangbecken, in dem die intensiven Regenfälle einer kurzen Winterperiode gesammelt und während der Vegetationsperiode mithilfe der Energie von Solarpanelen auf insgesamt 30 Hektar Reben gepumpt werden können.
Die Hacienda Araucano ist dadurch das einzige Weingut auf dem amerikanischen Kontinent, das zu 100% mit Sonnenenergie arbeitet.

Zurück

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.