Château La Croix-Canon 1999, Canon-Fronsac

Ganz turbulent ist die Geschichte des inzwischen verschwundenen Château La Croix-Canon in den letzten 20 Jahren. Schade, denn es wäre bestimmt interessant gewesen, dass die Weine weiter produziert würden.

Im Herbst 1995 kaufte Christian Moueix ein unbekanntes Weingut in der Appellation Canon-Fronsac, das Château Bodet. Zu diesem Zeitpunkt waren die AOC Canon-Fronsac und Canon noch nicht so in der Blütezeit. Erst 1997 entdeckte die Weinwelt beide, welche sich in angrenzender Nähe von Saint-Emilion und Pomerol befinden. Der Weinberg des Chateau Bodet war 14ha gross, Christian Moueix wollte der Welt zeigen, dass hier schon immer gute Weine erzeugt werden können. Da sie ausserdem vor der Französischen Revolution teurer waren, als es heute die Erzeugnisse beider Prestigeappellationen der Rive Droite sind, entschied sich Christian Moueix, den Grand Vin Charlemagne zu nennen. Den Namen hatte er in Büchern über die Geschichte des Fronsac kennengelernt. Im Jahr 1769 habe ein Duc de Charlemagne ein Schloss in Fronsac bauen lassen. So erzählt es zumindest René Gabriel in der ersten, 2000 veröffentlichten Auflage seines Bordeaux Total Referenzwerkes. Vielleicht hätte Christian Moueix hinzufügen können, dass Karl der Grosse, also Charlemagne, im Jahr 770 eine grosse Festung auf dem Hügel von Fronsac bauen liess. Der Name Fronsac ist sogar um diese Zeit entstanden und stammt aus „Fronciacus“.

Der Name Chateau Charlemagne wurde durch INAO angenommen, weckte aber die Wut einzelner Produzenten von Corton-Charlemagne. Beziehungsweise der damaligen, eingeschränkten Appellation Charlemagne, die inzwischen Bestandteil des Corton-Charlemagne geworden ist. 1996 wurde der Name geändert, das Chateau übernahm den Namen La Croix-Canon.

Impression1996 bis 2000 wurde das Chateau La Croix-Canon abgefüllt und durch die Etablissements Moueix vermarktet. Im Jahr 2000 trennte sich Christian Moueix von verschiedenen Besitztümern im Fronsac und Canon Fronsac, darunter La Croix Canon, Canon de Brem, Canon-Moueix, und La Dauphine, welche er Jean Halley, Sohn des Gründers der Grosshandelsgruppe Promodes und bis zu seinem Tod bei einem Fahrradunfall im Mai 2011 grosser Shareholder of Carrefour (Carrefour übernahm 1999 Promodès) , verkaufte. Jean Halley produzierte bis ins Jahr 2005 La Croix-Canon. Im Jahr 2006 wurde die Entscheidung umgesetzt, nur noch einen einzigen Canon-Fronsac zu vinifizieren. Die Chateaus La Croix-Canon und Canon de Brem verschwanden. Die besten Rebstöcke ermöglichten es, das Niveau des La Dauphine entscheidend zu verbessern. Guillaume Halley leitet heute das Weingut.

croix_canon1999Château la Croix Canon, Canon Fronsac 1999
Traubensorten: 70% Merlot, 25% Cabernet Franc und 5 % Cabernet Sauvignon. Im Glas zeigt sich ein noch erstaunliches Dunkelrot mit orangem Rand. Nach dem ersten Schnuppern daran kommt mir eine sehr feine, reife, ausdrucksvolle, intakte Frucht nach schwarzen Waldbeeren, eine Holznote, Herbstlaub und Waldpilze entgegen. Eine Nase voller Noblesse. Es lässt sich dann im Gaumen eine nahezu jung wirkende, feste Frucht erahnen. Das alles mit einem immer noch guten Tanningerüst und einer harmonisch integrierten Säure, die den Wein beschwingt. Er hat eine gute, präsente Länge. Kein Blockbuster aber ein durch und durch schöner Wein. 17.5/20.

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2 Gedanken zu „Château La Croix-Canon 1999, Canon-Fronsac

  1. Moin, danke für diesen Beitrag. Was ist eine Flasche wert von 1999 von canon fronsac die nicht mehr produziert wird?
    LG marian

    • Lieber Marian

      Zunächst möchte ich für die späte Antwort um Entschuldigung bitten.
      Man darf sich tatsächlich fragen, warum so ein Wein, der nicht mehr erhältlich ist, bewertet wird und warum dessen Bewertung online ist.
      Bestimmt wie mir schon ist es Dir auch passiert, dass Du Dich über einen reifen Wein erkundigen möchtest, wobei die aktuellste Bewertung schon zehn Jahre alt ist. Die Site von Parker liefert laufend solche Beispiele. Zahlreiche Weinjournalisten bewerten einmal ein Erzeugnis, dann nie mehr.

      Mit diesem Wein bzw. mit dem Croix-Canon 1999 haben wir uns für ein anderes Approach entschieden:
      Die Appellation bleibt leider verkannt und einen reifen Wein zu bewerten, kann meines Erachtens zeigen, dass die AOC auch die Erzeugung lagerfähiger Weine ermöglicht.
      Der Croix-Canon existiert nicht mehr? Umso besser. So werden unsere Leser*innen unbewusst aufgefordert, sich Fragen über die AOC, nicht über ein spezifisches Erzeugnis zu stellen.
      Was ist Deine Meinung diesbezüglich?

      LG
      Jean François

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