Die Weine Nordgriechenlands

gr_flagAm 19. September 2013 stellten sechs Weingüter des nördlichen Teils von Griechenland ihre Erzeugnisse in Zürich vor. Anestis Haitidis, der berühmte Önologe und Weinjournalist leitete ausserdem eine Master Class Verkostung, an welcher die Presse, aber auch einige Interessenten teilnahmen. Wir bewerten die zwei gelungensten Weine der Veranstaltung.

Ktima Pavlidis, Emphasis Assyrtiko 2012, PGI (g.g.A.) Drama
Dieses Erzeugnis beweist zunächst auf eklatante Art, dass seine Herkunft eine massgebende Rolle spielt. Hier begegnen wir keinem überschwänglichen Wein, sondern  einem, welcher durch seine Eleganz strahlt. Die Rebsorte Assyrtiko wird nicht nur im Mazedonien und in Nordgriechenland, sondern auch in Santorini, wo fette und kräftige Produkte ausgebaut werden angepflanzt.

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Der Winzer Nikos Karatzas behauptet, dass sein Emphasis Assyrtiko 2012 besser gelungen sei als der 2011er, welchen Parker immerhin mit 90/100 bewertet. Insgesamt werden 3‘500 Flaschen abgefüllt. Die Gärung erfolgt bei kontrollierten, kalten Temperaturen, damit die Frische gespeichert wird.. Dann wird er sechs Monate lang auf der Hefe in Inoxtanks ausgebaut. Dieses Verfahren rundet den Wein schön ab und verleiht ihm etwas Speck.

Leuchtende grüngelbe Farbe. Zunächst fällt die Nase positiv aus. Wir befinden uns ganz klar in Westeuropa mit Charakteristiken, welche uns bekannt sind. Das im Gegensatz zum als Retsina traditionell ausgebauten Pine’s Tear 2011 der Domaine Kechris, obwohl dieser auch ein reinsortiger Assyrtiko ist. Der Emphasis biete eine harmonische, mittelkomplexe Nase mit mineralischen Noten, Zitronen, weissen Blüten, etwas Aprikosen und einem Hauch Limette. Diese Nase bietet viel Charakter und animiert dazu, den Wein zu schmecken. Frischer, ausgewogener, vollmundiger Gaumen, in welchem sich die Komponenten schön ausgleichen, offene und erfrischende Struktur, wiederum die Mineralität von nassen Galets (grossen Kiesensteinen), aber auch ein Touch Butter. Die Säure erstaunt im positiven Sinn. Während die griechischen Weine oft mit einer exzessiven, spürbaren Säure ausgestattet sind liefert diejenige vom Emphasis die Frische, ohne überhaupt prägnant zu werden. Die 14% Alkohol sind ebenfalls sehr gut eingebunden. Schliesslich bietet der Wein einen anhaltenden Abgang mit wiederum Mineralität und Zitrusfrucht. Ein toller Trinkspass, 17/20.

Ktima Voyiatzi, Xinomavro 2009, PGI (g.g.A.) Velvento (Mazedonien)
Wenn Griechenland heute mehr als 300 Rebsorten (darunter 30 internationale) zulässt, bleibt Xinomavro die bekannteste Sorte für den Ausbau von Rotwein auf der internationalen Bühne. Das Weingut, dessen Weinberg sich auf ca. 260ha erstreckt, liegt 380 m.ü.M. am Fuss des Piera-Gebirges. Velvento ist eine verkannte, geschützte geographische Angabe in einem Land, welches sich in 29 geschützte Ursprungsbezeichnungen (früher als AOC oder DOCG, heute AOP bzw. DOP bekannt) und 120 „geschützte geographische Angaben“ aufteilt.

Holzausbau. Schöne Kirschenfarbe, animierender Aspekt. Da ist eine tolle, relativ komplexe Nase, welche sich offenbart. Viel Frucht, auch süssliche, etwas Pflaume, Kräuter und leichte pfeffrige Note, Bacon und rauchige Düfte, ein Hauch Taubenblut, Schokolade, dunkler Tabak, getrocknete Tomaten, schwarze Oliven. Die Typizität des Terroirs und die Generosität einer fetten, saftigen Rebsorte. Der Gaumen steht in nichts nach, die Komplexität bleibt ganz schön vorhanden. Die 13% Alkohol sind perfekt eingebunden. Dieser Gaumen wirkt frisch, breitschultrig, sehr saftig und bereitet sehr viel Spass.  Auch sehr feine, würzige Tannine, wenig Säure, eine runde, fette Gestalt eine wunderschöne aromatische Vielschichtigkeit in der Retronasale und nicht zuletzt, das ist die negative Note, einen eher kurzen Abgang. Anestis Haitidis machte uns darauf aufmerksam, dass der Abgang nie eine Priorität der griechischen Winzer gewesen sei, da diese wohl eher Weine für die Gastronomie ausbauen. In diesem Fall darf von einem klaren Erfolg die Rede sein. 17.25/20.

griech2013

Weitere verkostete Weine der Master Class

  • Zoinos Winery, Zitsa Semi Sparkling 2012, reinsortiger Debina, PDO (g.U.) Zitsa,  16/20
  • Domaine Porto Carras, Malagouzia 2012, reinsortiger Malagouzia, PGI (g.g.A.) Chalkidiki (Mazedonien), 16/20
  • Domaine Kechris, The Pine’s Tear 2011, reinsortiger Assyrtiko (als Retsina ausgebaut!), Thessaloniki, keine Bewertung
  • Ktima Tatsis, Goumenissa 2007, (Assemblage von 70% Xinomavra und 30% Negoska), PDO (g.U.) Goumenissa, 17/20

Die Weine sind bei Kantos erhältlich.

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