Das Cité du Vin in Beaune, eine Einschätzung

Unsere Vorliebe für die Burgunder Weine steht ausserfrage. Doch stellen wir uns die Frage, ob eine Cité des Vins de Bourgogne wirklich Sinn machen kann. Der Bau dieses Kulturzentrums mit voraussichtlichen, internationalen Wirtschaftsauswirkungen (u.a. eine deutliche Steigerung der Besucheranzahl im Anbaugebiet) dürfte im 2016 beginnen.

Als Vorbild dürfte wohl das Cité des Civilisations du Vin, welches im 2015 in Bordeaux eingeweiht wird, gedient haben. Bordeaux gehört zwar zum UNESCO Welterbgut, das Projekt wurde aber auch durch eine Gemeinde mit einer klaren Strategie ausgearbeitet. Es geht darum aufzuzeigen, wie sich die Zivilisationen rund um den Wein im Verlauf der letzten Jahrhunderte entwickelt haben. Nicht im Sinne eines Museums mit einer permanenten Ausstellung, sondern mehr als eine Art „Wanderweg“. Durch dieses Konzept werden die Besucher jeweils mit spezifischen Themen (Geschichte, Geographie, Geologie, Weinbau, Kunst, Sensorik,…) konfrontiert werden, und mit den aktuellsten pädagogischen Mitteln an die Themen herangeführt. Nicht zuletzt werden nicht weniger als 750m2 ausschliesslich den temporären Ausstellungen gewidmet. Anders gesagt, handelt es sich hier um ein ehrgeiziges Bündnisprojekt, trotzdem sind wir aber davon überzeugt, dass dieses Projekt seinen verdienten Erfolg erhalten wird. Abschliessend ist noch zu erwähnen, dass Bordeaux über die adäquate Infrastruktur (Unterbringungs- und Verpflegungsmöglichkeiten, Verkehrsmitteln und Zugänglichkeit -u.a. dank dem Flughafen-) verfügt, um einer steigenden Besucherzahl Herr zu werden.

Wie sieht es in Beaune aus?
Die erste Hürde bildet das geplante Cité Internationale de la Gastronomie, welches 2016 in Dijon (nur 30Km weit von Beaune) eröffnen wird. Dijon geniesst im Bereich der Gastronomie einen beneidenswerten Ruf und wird es bestimmt nicht zu Gunsten einer Stadt verlieren, zu welcher die politischen Beziehungen selten die Besten waren. Wir glauben nicht, dass Dijon dem Wein deswegen keinen Bereich im genannten Cité widmen wird.
Die zweite Hürde bildet bestimmt die Strategie des Anbaugebiets selber. Das Cité wird als Mittel zur Aufnahme des Burgunds im UNESCO Welterbgut wahrgenommen. Cécile Mathiaud, vom Bureau Interprofessionnel des Vins de Bourgogne sagt, dass das Ziel darin besteht, den Besuchern eine fundierte Einführung in die verschiedenen Appellationen des Burgunds zu bieten. Anders gesagt, werden höchstwahrscheinlich die Touristen das Cité besuchen, welche sich sowieso bereits für das Gebiet interessieren. Wir sind über die pädagogischen Mittel, welche Beaune einsetzten wird um das Cité besonders attraktiv zu machen, sehr gespannt.

Unser Fazit
Eine Vorliebe für die Weine eines spezifischen Anbaugebiets bildet bestimmt die Erste, unverzichtbare Voraussetzung um eine massgebende und rentable Steigerung der Besucheranzahlen zu erreichen. Die Botschaft, aber auch das Renommee des betroffenen Anbaugebiets in der internationalen Weinlandschaft erweisen sich allerdings als Mass aller Dinge. Abgesehen davon, wenn das Burgund seine alten Dämonen wieder erwecken möchte, wie vor etwa 15 Jahren als das Burgund sich darüber beklagte, dass ein beträchtlicher Teil der Weine durch die Japaner erworben wurde, könnte sich das Cité zu Gunsten der Asiaten entwickeln…

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